Rätsel um Lebensraum der ältesten Skorpione

14. Jänner 2015, 12:08
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Eramoscorpius brucensis lebte vor 430 Millionen Jahren - ob an Land oder im Wasser, ist unklar

Berlin - Lange vor den Wirbeltieren kamen bereits die Gliederfüßer an Land, so die heute gängige Lehrmeinung. Forscher vermuten, dass verschiedene Gruppen von Arthropoden zunächst zeitweise das Meer verließen, um kritische Phasen ihres Fortpflanzungszyklus in relativer Sicherheit absolvieren zu können. Vielleicht gilt dies auch für die 430 Millionen Jahre alten Skorpione, von denen das Berliner Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung berichtet.

Eine Forschergruppe aus Kanada und Deutschland beschreibt in der Fachzeitschrift "Biology Letters" einen Fund aus dem Silur. Die im kanadischen Ontario entdeckten Fossilien der Skorpionspezies Eramoscorpius brucensis sind 430 Millionen Jahre alt - also nur acht Millionen Jahre jünger als die bislang ältesten bekannten Skorpionfossilien, die aus Schottland stammen.

Ob an Land oder im Wasser ...

Eine wichtige Frage, die Wissenschafter seit mehr als einhundert Jahren beschäftigt ist; ob die ältesten Skorpione im Meer oder an Land lebten. Es ist die grundlegende Frage, ob Skorpione eine der ältesten Tiergruppen waren, die den bedeutsamen Schritt vom Leben im Wasser zum Leben auf dem Land geschafft haben. Einige der uralten Skorpione findet man nur in Meeressedimenten, vergesellschaftet mit fossilen Meerestieren. Manche davon hatten kurze dicke Beine, die in einer spitzen Kralle endeten und damit sehr ähnlich wie die Beine von Krebsen aussahen. Tiere mit dieser Beinanatomie scheinen nicht besonders geeignet für ein dauerhaftes Leben auf dem Land.

Eramoscorpius brucensis besaß aber Beine ähnlich den heutigen Skorpionen. Das Tarsus genannte letzte Beinglied war relativ lang ausgebildet und konnte damit wie ein Fuß flach auf den Boden gesetzt werden. So ein Körperbau bot dem Spinnentier viel mehr Stabilität und Bewegungsfreiheit auf dem Land und war damit ein wichtiger Fortschritt auf dem Weg zu einem Lebensbereich unabhängig vom Wasser.

... oder beides

Wo genau Eramoscorpius brucensis lebte, bleibt dennoch unklar. Trotz der Anantomie deuten die Sedimente, in die das Fossil eingebettet war, auf ein Wassertier hin. Die Lösung des vermeintlichen Widerspruchs könnte in einem phasenweisen Wechsel des Lebensraums liegen: Möglicherweise kamen die Tiere aus dem Wasser, um sich zu häuten. Im Silur gab es noch kaum Fressfeinde auf dem Festland, die die Skorpione während dieser empfindlichen Lebensphase hätten angreifen können. (red, derStandard.at, 14. 1. 2015)

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