Der Geschmack des Krieges: Brand van Leuven

Kolumne22. Jänner 2015, 10:27
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Kann man, darf man die Zerstörungen des Krieges einfangen in einer Bierflasche? Die auf einem flandrischen Bauernhof eingerichtete Brauerei Hof ten Dormaal hat es versucht

Flandern war ein Land, das im Ersten Weltkrieg besonders in Mitleidenschaft gezogen wurde, weil die Regierung sich darauf verlassen hatte, dass der neutrale Status Belgiens den großen Krieg an seinen Grenzen stoppen würde. Belgien war schlecht gerüstet, seine Neutralität hat die deutschen Truppen geradezu angezogen - und diese haben in Leuven/Löwen schrecklich gewütet.

Der "Brand van Leuven", jenes Feuer, das die Deutschen im August 1914 legten, gilt seit damals als Beispiel für eine Kulturschande. Der Verlust an Menschenleben und die Zerstörung der Uni-Bibliothek mit ihren raren mittelalterlichen Handschriften sind bis heute nicht verwunden.

Bier in der Champagnerflasche

Braumeister André Janssens sieht Brauerei als Braukunst an - und sein Bier als künstlerische Interpretation des damaligen Geschehens: In der Champagnerflasche mit dem giftgrünen Etikett liegt ein rotbraunes Bier mit ganz wenig Kohlensäure. Nicht die Spur von Schaum. Das "Brand van Leuven" genannte Ale ist auch nicht erfrischend, sein Aroma ist von Rauch geprägt, der Trunk von Säure, der Nachtrunk von Bittere. Dennoch harmonisch. Erschreckend. Künstlerisch. (Conrad Seidl, Rondo, DER STANDARD, 16.1.2015)

  • Harmonisch, erschreckend, künstlerisch: Das "Brand van Leuven" der belgischen Brauerei Hof ten Dormaal.
    foto: hof ten dormaal

    Harmonisch, erschreckend, künstlerisch: Das "Brand van Leuven" der belgischen Brauerei Hof ten Dormaal.

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