Primer: Cremes als Weichzeichner

26. Jänner 2015, 17:22
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Kein Gesicht ist perfekt - Photoshop heißt das digitale Werkzeug zur Verschönerung - doch Weichzeichner gibt es neuerdings auch in Cremeform. Sie werden "Primer" genannt und fixieren Make-up - was dahinter steckt

Alle paar Jahre haben die Marketingmenschen in den großen Kosmetiklaboren eine richtig gute Idee. Die Zeiten, in denen naive Menschen dachten, Fotos in Zeitschriften entsprächen der Realität, sind lange vorbei. Auch die Überzeugungskraft von Vorher-Nachher-Fotos hat stark abgenommen. Schließlich kann heute am Computer alles verändert werden: verhübscht und verschlimmbessert. Es kommt nur auf das Können des Grafikers an. Photoshop heißt das Programm mit Alleinstellungsmerkmal, das die Werkzeuge dafür liefert, Hautunreinheiten verschwinden zu lassen und Gesichtszüge weich zu zeichnen. "Blur" ist der englische Spezialbegriff für diese Art von "Verwischtechnik", die Ebenmäßigkeit zaubert und Großporigkeit wegradiert.

Dass man sich solche digitalen Tools auch im wirklichen Leben wünscht, liegt eigentlich nahe - und ist der Grund, warum der L'Oréal-Konzern in vielen seiner aktuell neuen Cremen mit dem Wort "Blur" operiert. Wer Falten, Flecken und große Poren mit Cremen weichzeichnen will, braucht Silikonöle, die sich in die Unebenheiten schmiegen und sie mit den in solchen Produkten enthaltenen Puderpartikeln kaschieren. "Silikonöle werden synthetisch im Labor hergestellt, auf diese Weise lassen sich ganz unterschiedliche Eigenschaften erzeugen", sagt Erich Leitner von der Gesellschaft Österreichischer Chemiker, es käme darauf an, in welcher Mischung man kurzkettige und langkettige Öle miteinander kombiniert.

Nie ohne auf die Party

Eine der großen Stärken von Silikonöl ist, dass es wasserabweisend ist und somit Make-up auf der Haut fixiert. "Primer" (sprich: Praimer) ist der Name einer kosmetischen Produktklasse, die immer populärer wird. "Im Theater, bei Shows oder Fotoproduktionen haben wir sie schon immer verwendet, denn bei heißem Scheinwerferlicht würde jedes Make-up durch die Schweißbildung sofort verrinnen", sagt Kathrin Jokubonis, Make-up-Artist von Mac, mittlerweile haben diese Cremen aber den Massenmarkt erobert. Primer lassen fettige Haut den ganzen Tag matt wirken, Primer vertuschen Pickel, Primer lassen große Poren optisch schrumpfen, es käme aber darauf an, in der großen Auswahl von verschiedenen Primern das richtige Produkt für Hauttyp (trocken, fettig, unrein) und Verwendungszweck (24 Stunden, Büro) zu finden.

Wie es angewendet wird? "Zuerst die gewohnte Hautcreme, dann Primer und darauf das Make-up", sagt Jakubonis und garantiert, dass sogar Augen-Make-up mit entsprechenden Eye-Primern makellos bleibe. "Der neueste Trend ist, in die Primer auch eine ganze Reihe von pflegenden Wirkstoffen zu integrieren", sagt die Make-up-Spezialistin, nicht immer müssten Sili- konöle eine Rolle spielen.

Falten verwischen

Auf das Zugpferd Pflege setzt auch die Luxuskosmetik von La Mer, die eben ein pflegendes Augenprodukt brandneu auf den Markt gebracht hat. "Wir vereinen zwei Gegensätze in diesem Augenprodukt: zum einen verwischen wir Fältchen und machen die Haut matt, zum anderen hellen wir das Umfeld der Augen durch feinstgeriebenen Perlenstaub auf", sagt La-Mer-Brandmanagerin Loretta Miraglia und empfiehlt die Anwendung des Produkts auch zusammen mit Concealern und unter Lidschatten.

"Die optische Retusche mit feinsten Puderpartikeln ist eine Art Photoshop", bestätigt auch Mac-Spezialistin Jokubonis. Ob man das jeden Tag braucht? "Allergien gegen Silikonöle sind nicht bekannt, auch wird die Haut durch diese Produkte keineswegs versiegelt", ist Chemiker Erich Leitner sicher.

Für Jakubonis ist die tägliche Anwendung eine höchst individuelle Frage. "Es kommt immer drauf an, in welchem Zustand die Haut ist und was auf dem Plan steht", lacht sie. Büro, Dinner oder Party. Frauen, die sich für einen Ball von ihr zurechtmachen lassen, schickt sie nie ohne Primer ins Rennen, "schon allein wegen der Fotos, die dort gemacht werden", sagt sie. Schließlich sei Schminke doch dafür erfunden worden, eine bessere Version aus sich selbst zu machen. (Karin Pollack, Rondo, DER STANDARD, 16.1.2015)

  • Retusche in der Realität: "Primer" sind Cremen, die Unschönes kaschieren.
>>> Zu den Produkten
    illustration: dennis eriksson

    Retusche in der Realität: "Primer" sind Cremen, die Unschönes kaschieren.

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