"Charlie Hebdo" in Frankreich bereits ausverkauft

14. Jänner 2015, 11:17
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Neue Lieferung am Mittwochnachmittag, Auflage auf fünf Millionen erhöht

Paris/Istanbul – Kurz nach dem Verkaufsstart der ersten "Charlie Hebdo"-Ausgabe nach dem Terroranschlag auf die Redaktion am vergangenen Mittwoch ist das Heft an französischen Kiosken bereits ausverkauft. Die erste Million ausgelieferter Exemplare sei bereits vergriffen, berichtete die Nachrichtenagentur AFP am Mittwochvormittag. Die Gesamtauflage wurde auf fünf Millionen erhöht.

Am Nachmittag sollen weitere Exemplare ausgeliefert werden. Insgesamt sollen bis Samstag drei Millionen Zeitungen an die Kioske gehen, die restlichen zwei Millionen bis kommenden Mittwoch, teilte der Zulieferer am Mittwochvormittag mit.

"Kein 'Charlie Hebdo' mehr"

In vielen Trafiken der Hauptstadt Paris war das Satiremagazin bereits um 7 Uhr ausverkauft, vielerorts hingen Schilder mit "Kein 'Charlie Hebdo' mehr". Insgesamt wurde das aktuelle Heft in fünf Sprachen übersetzt und in mehr als 20 Ländern ausgeliefert. In Österreich ist es gegenwärtig nicht erhältlich. Der Auslieferer Morawa teilte mit, möglicherweise in der kommenden Woche einige Exemplare zu erhalten.

In der jüngsten Ausgabe machen sich die noch lebenden Macher von "Charlie Hebdo" unter anderem über die islamistischen Terroristen lustig, die bei dem Angriff auf die Reaktion zwölf Menschen erschossen. In Karikaturen werden sie als geistig minderbemittelte Idioten der Lächerlichkeit preisgegeben.

Veröffentlichung auch in der Türkei

Die neue Ausgabe soll auch in der Türkei erscheinen. Vier Seiten davon waren am Mittwoch in türkischer Sprache der renommierten Tageszeitung "Cumhuriyet" beigelegt. Die türkische Ausgabe sei "die wichtigste" überhaupt, hieß es.

Weinender Mohammed

Die erste Ausgabe von "Charlie Hebdo" nach dem Anschlag erscheint mit der Karikatur eines weinenden Propheten Mohammed auf dem Titel. Die Zeitschrift hatte auch in den vergangenen Jahren immer wieder Mohammed-Karikaturen veröffentlicht und damit den Zorn der Islamisten auf sich gezogen. Auch in der Türkei stießen die Zeichnungen bei der islamisch-konservativen Regierung auf Kritik.

Die regierungskritische "Cumhuriyet" berichtete online, die Polizei habe die Lastwagen mit den frisch gedruckten Zeitungen in Istanbul in der Nacht auf Mittwoch angehalten. Nachdem die Polizei festgestellt habe, dass die Mohammed-Karikatur der "Charlie Hebdo"-Titelseite nicht in dem Nachdruck enthalten ist, habe die Staatsanwaltschaft die Weiterfahrt erlaubt. Allerdings ist die Titelseite als kleineres Bild an zwei anderen Stellen der "Cumhuriyet"-Ausgabe vom Mittwoch zu finden.

Der oberste islamische Geistliche der Türkei, Mehmet Görmez, verurteilte vergangene Woche den Anschlag auf "Charlie Hebdo", sprach sich aber gleichzeitig gegen die Verunglimpfung der islamischen Werte "im Namen der Meinungsfreiheit" aus. Die meisten türkischen Zeitungen beschrieben am Dienstag die Titelseite der neuen Ausgabe von "Charlie Hebdo", doch bildete sie keine ab.

Kritik aus Teheran

Die jihadistische Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) verurteilte unterdessen das Cover. Die Veröffentlichung neuer Mohammed-Karikaturen sei "extrem dumm", hieß es am Mittwoch in einer Erklärung im Radiosender Al-Bayan, den die IS in den von ihr kontrollierten Gebieten in Syrien und im Irak betreibt. Damit werde der Prophet erneut beleidigt.

Auch der Iran verurteilte das Titelbild. "Das ist eine provokante Geste und für Muslime verletzend", sagte Außenministeriumssprecherin Marsieh Afcham am Mittwoch. Sie sprach von einem Missbrauch der Pressefreiheit, der für Muslime inakzeptabel sei. Respekt vor religiösen Heiligkeiten sei ein weltweit anerkanntes Prinzip, das auch europäische Politiker akzeptieren sollten. (APA, 14.1.2015)

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