Die goldene Blume Kaliforniens 

16. Jänner 2015, 17:26
1 Posting

Wissenschafter der Uni Graz und TU Graz erforschen Inhaltsstoffe des Goldmohns, die medizinisch genutzt werden könnten

Wie der heimische Klatschmohn ist auch der Goldmohn oder Kalifornische Mohn eine Augenweide, wenn auch in - wie der Name schon sagt - Goldgelb statt Rot. Beheimatet ist er im Südwesten der USA und in Mexiko, mittlerweile kommt er jedoch auch in Europa, Südamerika und Australien vor.

Überirdisch wird er bis zu 60 Zentimeter hoch, unter der Erde entwickelt er bei günstigen Bedingungen eine kräftige Wurzel. Mit deren Hilfe übersteht er selbst heiße Sommer: Während seine grünen Teile absterben, wartet sie im Boden auf bessere Zeiten.

In sehr trockenen oder sehr winterkalten Gebieten kommt es dazu jedoch erst gar nicht. Dort ist der Goldmohn einjährig, stirbt also bereits nach einer Saison ab. Seine Samen allerdings sind Überlebenskünstler, die in trockenen Böden jahrelang überdauern. Wenn es ausreichend regnet, können sie sehr rasch keimen - dann ist das Land innerhalb kurzer Zeit von goldgelben oder orangefarbenen Blüten übersät.

Diese Blüten, die von Juli bis September auftreten, haben in etwa die Form einer Untertasse und können bis zu zwölf Zentimeter Durchmesser haben. Bevor sie das erste Mal aufgehen, werden sie von zwei grünen Kelchblättern umschlossen, die in ihrer Gestalt an eine altertümliche Schlafmütze erinnern. Diese Kopfbedeckung fällt bald ab, doch auch danach sind die Blüten nur bei Sonnenschein geöffnet. In der Nacht oder wenn es regnet, schließen sie sich.

Nach der Bestäubung, die durch Insekten erfolgt, entstehen bis zu zehn Zentimeter lange, dünne Schoten, die bei der Reifung aufplatzen und zahlreiche winzige Samen freisetzen, die teils durch die Schwerkraft, teils durch den Wind verbreitet werden.

Seit mehr als hundert Jahren ist der Goldmohn die offizielle Staatsblume von Kalifornien, das ihm in dieser Eigenschaft einen eigenen Feiertag gewidmet hat, den "California Poppy Day" am 6. April. Im kalifornischen Naturschutzgebiet Antelope Valley California Poppy Reserve leuchten zur Blütezeit rund sieben Quadratkilometer in den warmen Farben des Goldmohns.

Unkraut in Australien

Nach Südamerika und Australien, wo er heute als verbreitetes Unkraut gilt, gelangte er übrigens - passend zu seinem Namen - in Folge des kalifornischen Goldrausches: Nach dessen Ende schifften sich viele Goldsucher von San Francisco dorthin ein, und die Schiffe, auf denen sie fuhren, nahmen Sand als Ballast mit, der auch die widerstandsfähigen Samen des Goldmohns enthielt. Seinen etwas eigentümlichen lateinischen Namen - Eschscholzia californica - hat er von einem bekannten Deutschen, nämlich dem Dichter und Entdecker Adelbert von Chamisso. Der dokumentierte ihn im Zuge einer Weltumseglung, an der er von 1815 bis 1818 teilnahm, das erste Mal und benannte ihn nach seinem Freund und Kollegen, dem Schiffsarzt Johann Friedrich von Eschscholtz.

Den inflationären Zischlaut hatte dieser im Laufe der Geschichte durch Übertragung ins kyrillische und Rückübersetzung ins lateinische Alphabet akkumuliert - und schließlich an den Goldmohn weitergegeben.

Der Goldmohn enthält Alkaloide, die in der richtigen Dosierung krampflösende und beruhigende Wirkung haben. Diese stellt er mithilfe bestimmter Proteine, sogenannter Biokatalysatoren, her.

Den Chemikern Wolfgang Kroutil von der Grazer Karl-Franzens-Universität und Peter Macheroux von der Technischen Universität Graz ist es in Zusammenarbeit mit der Uni Manchester gelungen, diese Biokatalysatoren ihrerseits für die Erzeugung von medizinisch interessanten Naturstoffen zu nutzen: Unter anderem konnten sie zum ersten Mal im Labor das beruhigende und muskelentspannende Alkaloid Scoulerin synthetisch in substanziellen Mengen erzeugen.

"Die chemische Synthese von Scoulerin war bis jetzt völlig unrentabel, weil sie vielstufig und damit sehr schwierig ist und viel zu kleine Mengen liefert", sagt Kroutil. Er und seine Kollegen kombinierten stattdessen Biokatalysatoren des hübschen Goldmohns ausgerechnet mit welchen des ungeliebten Schwarzschimmelpilzes, den man von feuchten Gemäuern kennt.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Das neue System erzeugt nicht nur wirtschaftlich interessante Mengen an natürlichen Wirkstoffen, es ist dabei auch umweltfreundlich: "Im Unterschied zu herkömmlichen Methoden läuft es bei Raumtemperatur, kommt ohne giftige Metalle aus und verbraucht nur Luft-Sauerstoff", sagt Kroutil. Derzeit werden die Wirkungen der so gewonnenen Stoffe im Detail untersucht. (Susanne Strnadl, DER STANDARD, 14.01.2015)

  • Seine kräftige Wurzel schützt den Goldmohn vor Hitze.
    foto: wikimedia

    Seine kräftige Wurzel schützt den Goldmohn vor Hitze.

Share if you care.