Von Schlachtwerkzeugen zur verbalen Kommunikation

13. Jänner 2015, 20:44
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Wie die Verbreitung früher Steingeräte die Entwicklung der Sprache beeinflusste, ist umstritten - Die Oldowan-Technologie dürfte aber lange nonverbal weitervermittelt worden sein

Berkeley/Wien - Die ältesten bekannten Steinwerkzeuge der Welt brachte die Oldowan-Kultur in Ostafrika hervor. Vor fast zweieinhalb Millionen Jahren begannen dort frühe Menschen, insbesondere Homo habilis, vermutlich aber auch schon Australopithecus garhi, mit der Bearbeitung von Geröllen. Durch das gezielte Abschlagen von Geröllsplittern wurden Werkzeuge mit scharfen Kanten hergestellt, die vor allem zum Zerlegen von Beutetieren eingesetzt werden konnten.

In der Folge verbreitete sich die Fertigung und Nutzung dieser einfachen Schlachtwerkzeuge über den gesamten afrikanischen Kontinent. Zahlreiche Funde zeugen von der systematischen Produktion, aber auch Wartung und Reparatur dieser Geräte, was auf erlernte und sozial eingeübte Praxis schließen lässt. Inwiefern die Verbreitung der Oldowan-Techniken aber tatsächlich Auswirkungen auf die Evolution der menschlichen Sprache und des Lernens hatte oder ob sie lediglich durch simple motorische Nachahmung vor sich ging, ist in der Forschung umstritten.

Immerhin wurden die einfachen Werkzeuge lange Zeit unverändert beibehalten - bis zur Anfertigung der fortschrittlicheren Faustkeile dauerte es rund 700.000 Jahre. US-amerikanische und britische Forscher um Thomas Morgan von der University of California in Berkeley gingen dieser Frage in einem groß angelegten Experiment in Nature Communications nun genauer auf den Grund.

Sprachlose Vermittlung

Dazu teilten sie 184 Studenten in Gruppen auf und vermittelten jeweils einer Person die Herstellung von Oldowan-Werkzeugen auf eine von fünf Weisen: selbstständig nach dem Vorbild fertiger Vorlagen, durch Imitation eines geübten Herstellers, durch bedachtes Vorzeigen ohne zusätzlicher sprachlicher und gestischer Unterstützung, durch gestische Vermittlung oder durch verbale Instruktion. Dann wurde diese erworbene Technik innerhalb der Gruppen von Proband zu Proband weitergegeben.

Mit eindeutigem Ergebnis: Die verbal instruierten Probanden erlernten die Technik nicht nur am schnellsten, sondern produzierten auch die besten Werkzeuge. Die Forscher schließen daraus, dass sich die Technik anfangs eben nicht über Sprache etablierte: "Durch verbale Anleitungen hätte sich die Technologie wohl viel schneller verbreitet und weiterentwickelt", so Morgan.

Die dafür nötigen kommunikativen Fähigkeiten hätten sich aber im Laufe des Oldowan nach und nach entwickelt. Denn bis zum Aufkommen und der Verbreitung der komplexeren Faustkeile vor etwa 1,7 Millionen Jahren müsse sich bereits eine einfache Protosprache entwickelt haben. (David Rennert, DER STANDARD, 14.1.2015)

  • Forscher und Studienteilnehmer bei der Herstellung von Steinwerkzeugen.
    chris templeton

    Forscher und Studienteilnehmer bei der Herstellung von Steinwerkzeugen.

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