Fernsehpremiere "Paris" auf Arte: Wo das pralle Leben spielt

14. Jänner 2015, 05:30
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In epischer Dichte zeigt die französische Dramaserie, wie die Stadt und die Menschen ticken. Dass die Ausstrahlung im Schockabstand zu den Anschlägen steht, ist ein purer Glücksfall. Ab Donnerstag in sechs Folgen auf Arte

Wien - Wegen Schnellfahrens darf Yvon keine Busse mehr fahren. Für den eingefleischten Chauffeur kommt das nicht infrage. Kurzerhand kidnappt er ein Fahrzeug und kutschiert damit vogelfrei durch die Stadt.

Im Bus sitzt Leila. Die schwangere Friseurin hat beim Suchen einer Feile einen Revolver unter ihren Sachen gefunden. Die Waffe gehört Mansour, ihrem Lebensgefährten.

Den Bus kann sie unbeschadet verlassen, weil Yvons Frau Cathy sich dem rasenden Automobil in den Weg stellt und die Entführten befreit. "Wir müssen miteinander sprechen!", schreit Yvon. "Wenn du glaubst, dass ich mir deinen Quatsch anhöre, hast du dich geschnitten", sagt Cathy. Yvon steigt aus und nimmt die Tasche mit, die Leila vergessen hat. Darin ist der Revolver.

Verrückt und tragisch

Clement wird in der Schule gemobbt, weil er der Sohn des Premierministers ist. "Sieh dir deinen Vater an, wie er das macht", sagt die Mutter. "Du kapierst gar nichts", braust der Sohn.

Der Vater steckt in Schwierigkeiten wegen finsterer Ölgeschäfte. Ausbaden muss das der Staatsanwalt Pierre Lanvin, der versucht, auf illegalem Weg den Ruf des Premierministers zu schützen. Schwierig wird es, als Pierres Frau Noémie von der Affäre ihres Ehemannes erfährt. Dabei handelt es sich um die transsexuelle Alexia. Und dann ist da noch Ange, der Spielschulden hat und einbricht.

Nicht weniger als das pralle, verrückte, banale, tragische Leben der französischen Metropole bildet die Serie "Paris", 2014 gedreht, ab. Dem Regisseur Gilles Bannier und der Drehbuchautorin Virginie Brac ging es um die Abbildung möglichst vieler verschiedener sozialer Milieus.

Paris hinter den Postkartenbildern

Da kommt die Unterwelt zu Ehren, ebenso die Kleinkriminellen, der Mittelstand, die Wirtschaftsbonzen, das Rechtssystem und die hohe Politik. "Ich wollte die Zuschauer in das Paris führen, das sich hinter den Postkartenbildern versteckt", sagt Brac. Das Ensemble um Sarah-Jane Sauvegrain, Jérôme Robart, Nanou Garcia, Luc-Antoine Diquéro, Thomas Doret, Florence Pernel und Eric Caravaca führt zur Musik Hervé Salters durch die Stadt.

Brac ließ sich vom Arte-Event "24 h Berlin – Ein Tag im Leben" inspirieren, bei dem Regisseure wie Romuald Karmakar, Rosa von Praunheim und Elfi Mikesch mit einer Vielzahl von Dokumentationen die deutsche Bundeshauptstadt porträtierten.

Dass die Serie im Schockabstand nach den Anschlägen in Paris ihre Fernsehpremiere hat, ist ein Glücksfall. Zu sehen, wie die Stadt und die Menschen ticken, kommt genau richtig.

Die 59-jährige Drehbuchautorin Brac machte aus ihren "24 Stunden Paris" sechs rund einstündige Folgen und bastelte darum eine fiktionale Story über die Bewohner einer Stadt, die im Grunde alle nach demselben suchen: dem großen und dem kleinen Glück. (Doris Priesching, DER STANDARD, 14.1.2015)

Ab Donnerstag, 20.15 Uhr auf Arte

  • Alles dreht sich um Alexia: Die transsexuelle Tänzerin (Sarah-Jane  Sauvegrain) im Nachtclub ist eine der Figuren der Arte-Serie "Paris".
    foto: arte

    Alles dreht sich um Alexia: Die transsexuelle Tänzerin (Sarah-Jane Sauvegrain) im Nachtclub ist eine der Figuren der Arte-Serie "Paris".

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