Jüdische Opfer von Paris in Israel beigesetzt

13. Jänner 2015, 18:16
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Präsident Rivlin fordert Taten gegen "neuen und alten Antisemitismus"

Obwohl vier ausländische Bürger zu Grabe getragen wurden, hatte die Zeremonie am Dienstag auf dem Friedhof in Jerusalem beinahe den Charakter eines Staatsbegräbnisses. "Nicht so wollten wir euch hier im Land empfangen", sagte Israels Staatspräsident Reuven Rivlin. Die Beisetzung in Jerusalem wirkte auch wie ein politisches Statement, zugleich entsprach sie einfach dem Wunsch der Angehörigen, die laut israelischen Medien nun die Einwanderung nach Israel erwägen.

Yoav Hattab (21), Yohan Cohen (22), Philippe Braham (45) und François-Michel Saada (63) wurden am Freitag in einem koscheren Supermarkt in Paris von einem islamistischen Terroristen erschossen. Die Toten waren in der Nacht nach Israel geflogen worden und lagen, in jüdische Gebetsschals gehüllt, auf Bahren, als zunächst Angehörige und dann Rivlin, Israels Premier Benjamin Netanjahu und Oppositionschef Jizchak Herzog kurze Ansprachen hielten. Unter den rund 2000 Trauergästen waren auch einige Kabinettsmitglieder.

"Feinde der gesamten Menschheit"

"Die Terrorbewegungen des extremistischen Islam", sagte Netanjahu, "sind nicht nur die Feinde des jüdischen Volkes, sie sind die Feinde der gesamten Menschheit. Es ist an der Zeit, dass sich alle zivilisierten Menschen zusammenschließen und diese Feinde aus unserer Mitte ausmerzen." Die Reden transportierten auch die Einladung an französische Juden, sich in Israel niederzulassen. Rivlin forderte Taten gegen den "alten oder neuen Antisemitismus".

Umweltministerin Ségolène Royal, die die französische Regierung vertrat, stellte fest: "Alle vier wurden getötet, weil sie Juden waren", und zitierte die Aussage ihres Premiers: "Frankreich ohne seine Juden ist nicht Frankreich." Zum Schluss ernannte sie im Namen des französischen Staatspräsidenten die vier Mordopfer posthum zu Rittern der Ehrenlegion. (Ben Segenreich aus Tel Aviv, DER STANDARD, 14.1.2015)

  • Hunderte Trauernde nahmen am Begräbnis in Israel teil.
    foto: reuters/ronen zvulun

    Hunderte Trauernde nahmen am Begräbnis in Israel teil.

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