Rom unter scharfer Beobachtung

13. Jänner 2015, 17:42
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Der nächste Schlag von Islamisten werde dem Vatikan gelten, hat das israelische TV unter Berufung auf US-Geheimdienste gemeldet. In Rom will man davon nichts wissen – trotzdem wurden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt

Am Tag nach dem Anschlag auf die Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo haben Extremisten der IS-Terrormiliz im Internet ein Video veröffentlicht: "Wir werden Rom erobern, die Kreuze zerstören und eure Frauen versklaven, zum Wohlgefallen von Allah", drohte in der vierminütigen Aufzeichnung eine arabische Stimme, die mit englischen Untertiteln und Bildern des Kolosseums, des Vatikans und der Fontana di Trevi unterlegt war. Als gälte es die Drohungen zu bestätigen, verbreitete das israelische Fernsehen am folgenden Tag, dass die Ewige Stadt und der Papst die nächsten Ziele des islamistischen Terrors darstellten. Der TV-Bericht berief sich auf die US-Geheimdienste; diese hätten den Vatikan vor einem drohenden Anschlag gewarnt.

In Rom wurde der israelische TV-Bericht umgehend relativiert: "Im Rahmen der üblichen Kontakte der Sicherheitsdienste ist auch der Heilige Stuhl über die terroristische Gefahr informiert worden", sagte Vatikansprecher Federico Lombardi am Montag. Es gebe im Moment keine Hinweise für ein konkretes Risiko eines Attentats. Ähnlich tönte es im italienischen Innenministerium: "Unsere Terrorabwehr und unsere Geheimdienste haben derzeit keine spezifischen Informationen über ein bevorstehendes Attentat", betonte Innenminister Angelino Alfano. Aber natürlich sei derzeit jedes Land mögliches Anschlagsziel.

Rom sehr "attraktives" Ziel

Dass Rom als Zentrum der katholischen Universalkirche mit ihren 1,2 Milliarden Gläubigen zumindest potenziell ein sehr "attraktives" Ziel des islamistischen Terrors abgäbe, bestreitet freilich auch Vatikansprecher Lombardi nicht. Und tatsächlich dauert der psychologische Krieg der IS-Terrormiliz gegen die Ewige Stadt schon seit Monaten: Der selbsternannte Kalif Abu Bakr al-Baghdadi hatte schon im vergangenen Juli von der Eroberung Roms fantasiert.

Im Oktober legte die IS-Zeitschrift Dabiq nach: Auf dem Titelbild war eine Fotomontage des Petersplatzes und des Petersdoms zu sehen - auf dem Obelisken auf der Piazza flatterte die schwarze Fahne des "Islamischen Staats".

Die Sicherheitsdispositive in Rom und rund um den Vatikan sind denn auch schon im vergangenen Herbst verstärkt und die Präsenz von uniformierten und zivilen Beamten vor und auf dem Petersplatz sichtbar erhöht worden. Nach den Terrorakten in Frankreich sind die Kontrollen noch einmal massiv verstärkt worden, nicht zuletzt auch im historischen Römer Judenghetto, das praktisch zur Festung ausgebaut worden ist.

Höchste Alarmstufe

"Rom mit seinen zahlreichen Orten des Kultes, seinen Botschaften, Regierungsgebäuden, Zeitungsredaktionen und Monumenten ist voll von sensiblen Zielen - für sie alle gilt seit den Anschlägen von Paris die höchste Alarmstufe", betonte gestern der Chef der römischen Anti-Terror-Einheiten, Diego Parente.

Wie groß die tatsächliche Gefahr eines künftigen Anschlages ist, kann naturgemäß schwer abgeschätzt werden. Wie in anderen europäischen Ländern bereiten den Sicherheitsbehörden auch in Italien die sogenannten Foreign Fighters die größten Sorgen. Zumindest quantitativ befindet sich Italien diesbezüglich jedoch in einer vergleichsweise komfortablen Situation.

Laut Angaben des Innenministeriums haben sich nur 53 in Italien registrierte Personen den islamistischen Kämpfern im Irak und in Syrien angeschlossen; mehr als ein Dutzend von ihnen dürfte inzwischen umgekommen sein. Außerdem verfügen wegen der restriktiven italienischen Einbürgerungspraxis nur vier der italienischen Jihadisten auch über einen italienischen Pass. Den meisten anderen kann die Rückkehr nach Italien verweigert werden. (Dominik Straub aus Rom, DER STANDARD, 14.1.2015)

  • Als Versammlungsort für christliche Gläubige stellt der Petersplatz im Vatikan nach den Anschlägen in Paris ein potenzielles Anschlagsziel dar.
    foto: reuters/max rossi

    Als Versammlungsort für christliche Gläubige stellt der Petersplatz im Vatikan nach den Anschlägen in Paris ein potenzielles Anschlagsziel dar.

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