Vom Islam lernen heißt siegen lernen

Kommentar der anderen13. Jänner 2015, 17:34
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Der Islamismus ist eine Spielart des Islam

Der Sozialismus war überall dort eine tolerante Weltanschauung, die mit anderen Weltanschauungen friedlich koexistierte, wo er nicht an der Macht war. Allerdings war es überall dort, wo er das Sagen hatte, mit der Friedlichkeit und der Toleranz schnell vorbei.

Nichts mit dem ...

So ähnlich verhält es sich auch mit dem Islam. Al-Kaida, Boko Haram, der "Islamische Staat" und die Taliban haben mit dem Islam nichts zu tun. Das Regime der Ajatollahs hat mit dem Islam nichts zu tun. Die blutigen Kämpfe zwischen Schiiten und Sunniten haben mit dem Islam nichts zu tun. Wenn in Saudi-Arabien Gotteslästerer ausgepeitscht und Ehebrecherinnen gesteinigt werden, hat das mit dem Islam nichts zu tun.

Die Attentäter von 9/11 hatten mit dem Islam nichts zu tun. Auch das, was in London, Madrid, Mumbai, Bali, Boston, Sydney, Brüssel und Toulouse geschah, hatte mit dem Islam nichts zu tun. Denn Islam meint "Frieden", und Jihad, so hören wir es immer wieder, bedeutet nicht "heiliger Krieg", sondern "innere Anstrengung", wozu auch immer. In jeder Religion gibt es Fanatiker, aber in keiner anderen wird dermaßen hartnäckig darauf bestanden, dass sie nichts mit der Religion zu tun haben, auf die sie sich berufen.

... Islam zu tun?

Die Unterscheidung zwischen dem guten Islam und dem bösen Islamismus ist, nüchtern betrachtet, so willkürlich wie die zwischen dem Sozialismus an sich und dem real existierenden Sozialismus. Inzwischen wird sogar noch weiter differenziert. Es gibt auch "moderate", "streng gläubige" und "fanatische" Islamisten. Allein diese Nuancierung zeigt, dass der Islamismus nicht das Gegenteil vom Islam ist, sondern eine seiner Spielarten. (Henryk M. Broder, DER STANDARD, 14.1.2015)

Henryk M. Broder (Jahrgang 1946) ist Autor, Publizist und Kolumnist für Medien des deutschen Springer-Verlages. Zuvor schrieb er für den "Spiegel" und den "Tagesspiegel". Dieser Text ist ein Auszug eines Kommentars, der in der Berliner "Welt" erschienen ist.

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