Facebook-Vorlieben geben tiefen Einblick in Persönlichkeit

13. Jänner 2015, 17:24
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Studie: Analyse des Computerszutreffender als von Freunden

Der Computer wird zum Menschenkenner - mit Hilfe von Facebook: Durch die Analyse der "Gefällt-mir"-Angaben von Nutzern des sozialen Netzwerks konnte eine Spezialsoftware genauere Rückschlüsse auf deren Persönlichkeit ziehen als Freunde oder Verwandte, wie eine am Montag in Miami veröffentlichte Studie der Universitäten Cambridge und Stanford ergab.

"Computer werden künftig in der Lage sein, unsere psychologischen Eigenschaften zu erkennen und entsprechend zu reagieren", sagte der Hauptautor der Studie, Wu Youyou vom Zentrum für Psychometrie in Cambridge.

Likes geben Einblick in Persönlichkeit

Die in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) veröffentlichte Studie setzt an einer im Frühjahr 2013 veröffentlichten Arbeit der Universität Cambridge an. Bereits damals hatten Forscher gezeigt, dass durch mathematische Analysen der auf Facebook mit Hilfe des Buttons "Gefällt mir" markierten Vorlieben für bestimmte Webseiten oder Diskussionsgruppen sehr genaue Rückschlüsse auf individuelle Eigenschaften der Nutzer möglich waren.

Für die Folgestudie wurden nun die Daten von mehr als 86.000 Versuchsteilnehmern ausgewertet. Diese füllten einen Fragebogen zu ihrer Persönlichkeit aus und gaben den Forschern Zugang zu ihren "Gefällt-mir"-Angaben bei Facebook. Untersucht wurden die fünf Eigenschaften Offenheit, Geselligkeit, Pflichtbewusstsein, Verträglichkeit und Impulsivität. Eine Vorliebe für den surrealistischen Maler Salvador Dali oder die Meditation etwa deute darauf hin, dass ein Nutzer sehr offen sei, führen die Forscher in der Studie aus.

70 "Gefällt mir" reichen aus

Während der Computer die Facebook-Vorlieben analysierte, konnten die Versuchsteilnehmer zudem Freunde und Verwandte über eine spezielle App einladen, zehn Fragen zu ihrer Persönlichkeit zu beantworten. Insgesamt verglichen die Forscher die Angaben von Freunden und Verwandten von rund 32.000 Versuchsteilnehmern mit den Computeranalysen. Schon aufgrund von zehn "Gefällt-mir"-Angaben, so ein Ergebnis, konnte die Spezialsoftware präzisere Angaben zur Persönlichkeit der Probanden machen als deren Freunde oder Verwandte.

70 "Gefällt-mir"-Nennungen waren demnach ausreichend, damit die Software zu einer korrekteren Einschätzung kam als ein Freund oder Mitbewohner. Um Eltern oder Geschwister zu übertrumpfen, waren der Studie zufolge 150 solche Facebook-Angaben nötig, für Ehepartner mehr als 300. Der durchschnittliche Facebook-Nutzer hat 227 Webseiten mit "Gefällt mir" markiert.

Datenmasse als Vorteil

Im Gegensatz zum Menschen ziehe der Computer große Datenmassen zurate, ohne sich von Einzelereignissen im Leben eines Menschen vom Wesentlichen ablenken zu lassen, sagte der Studien-Mitautor Michal Kosinski von der kalifornischen Stanford-Universität. Große Datenmengen und lernfähige Computerprogramme böten so Möglichkeiten für eine Genauigkeit, die das menschliche Hirn nur mit großer Anstrengung erzielen könne. "Menschen tendieren dazu, einem oder zwei Ereignissen zu viel Gewicht beizumessen und kommen so oft zu nicht rationalen Einschätzungen." (APA, 13.01.2015)

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