Blick zurück in die Fernsehsteinzeit

13. Jänner 2015, 17:06
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"Robinson Crusoe" nach Daniel Defoe im Rabenhof: Ein zäher Etikettenschwindel

Wien - Ziemlich bärtig ist der ehemalige Reality-TV-"Inselkönig" Kai, als ihn der Fernsehsender nach 28 Jahren wieder heimholt - vom fernen Eiland in die Medienwelt von heute. Der Held wurde dort schlichtweg vergessen. Lange Bärte tragen aber auch die Witze in dieser Robinsonade, die mit Daniel Defoes Abenteuerroman nicht viel mehr als den Titel gemeinsam hat. Robinson Crusoe entstand in Zusammenarbeit von Autor Bernhard Studlar mit den Darstellern und dem künstlerischen Team der Produktion - ein dramaturgisch dahinmäanderndes Stück mit wenig Sinn für ein junges Publikum (ab elf Jahren). Von Beginn an hakt es auch in der Inszenierung Roman Freigaßners. Die Uraufführung im Rabenhof wurde aber dankbar beklatscht.

Diese Crusoe-Neudichtung erzählt vom (zunächst) jungen Kai, der Mitte der 1980er-Jahre den öden Familienbetrieb flieht und sein Glück beim Realityfernsehen versucht. Geld und Ruhm winken, wenn er ein Jahr auf einer einsamen Insel durchhält. Aber nicht diese Zeitspanne dehnt das Stück, sondern das Davor und Danach. Es beginnt mit einem Casting, das vor einer Sandstrand-Posteridylle (Ausstattung: Heike Mirbach) von mauem Telefonslapstick unnötig in die Länge gezogen wird.

Die Jahre auf der Insel vergehen, Kai umarmt Kokospalmen, sieht fern (durch einen angeschwemmten Fernsehkasten). Der Inselabschied gerät ungelenk. Gustav Freitag (!), das TV-Nachwuchstalent, soll das nunmehrige Haarmonster rücksichtslos vermarkten. Freitag aber - so die Moral der Geschichte - will Teil einer besseren Medienwelt sein. Er gründet einen eigenen Sender.

Ob die Crux von Realityformaten für Elfjährige überhaupt Relevanz besitzt? Das Thema scheint eher für Menschen um die 40 mit Retrofaible gedacht. Die Umsetzung wiederum ist so naiv und hanebüchen, dass es für alle Altersstufen bald fad wird. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 14.1.2015)

Bis 15.3.

  • Haarig: Kai (Kai Maertens) droht Freitag (Sebastian Pass).
    foto: ingo pertramer

    Haarig: Kai (Kai Maertens) droht Freitag (Sebastian Pass).


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