Diagnose Lungenkrebs: Warum die Chancen schlecht stehen

13. Jänner 2015, 16:18
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Studie zeigt die Daten und Fakten zu einer Erkrankung, die meist viel zu spät entdeckt wird

Neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall) und chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) ist das Lungenkarzinom die schwerwiegendste Folge des Rauchens.

90 Prozent dieser Erkrankungen sind mit dem Rauchen assoziiert. Laut einer neuen österreichischen Studie liegt die durchschnittliche Lebenserwartung der Patienten trotz aller Fortschritte der Medizin nur bei 16,4 Monaten.

"Wir haben in Österreich pro Jahr 4.000 Lungenkrebserkrankungen. Bei den Männern haben wir einen kleinen Rückgang, bei den Frauen nimmt Zahl der Erkrankungen sehr stark zu. Wir können 15 Prozent der Patienten heilen", sagte der Wiener Lungenkarzinomspezialist Peter Pirker.

Lungenkrebs: Typ entscheidet

Eine neue Studie mit der Auswertung von Daten von 2.293 Patienten, die zwischen 1989 und 2009 an der häufigsten Lungenkarzinomform, dem nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC), gelitten haben, zeigt jetzt genau, wie schwerwiegend die Erkrankung ist, die zumeist tödlich verläuft.

Florian Kocher und die Co-Autoren haben, ausgehend vom Tiroler Krebsregister (MedUni Innsbruck) mit Beteiligung vieler anderer Kliniken in Österreich (unter anderem aus Wien, Salzburg, Kufstein, aber auch Basel etc.), die Informationen aus 20 Jahren ausgewertet.

Demnach sind die meisten Menschen mit Lungenkrebs um die 64 Jahre alt. 1.611 oder 70 Prozent waren in dem Zeitraum Männer. Lungenkarzinome sind vor allem eine "Männerkrankheit", weil ehemals die Männer am häufigsten rauchen.

Doch es gibt eine starke Trendumkehr. Bereits im Jahr 2015 dürfte Lungenkrebs in Europa die häufigste Krebstodesursache bei Frauen sein und damit das Mammakarzinom überholen. Das geht aus einer neuen epidemiologischen Studie hervor, die vor zwei Jahren von italienischen und Schweizer Wissenschaftern in den "Annals of Oncology" publiziert worden ist. In Großbritannien und in Polen ist das bereits der Fall.

Allgemein geschwächtes System

Lungenkrebspatienten sind auch sonst nicht "gesund". 62 Prozent der Erkrankten hatten auch schon eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, ebenfalls 45 Prozent eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). 55 Prozent klagten bei Diagnosestellung über Husten, 62 Prozent über Kurzatmigkeit. Das deutet bereits darauf hin, dass die Lungenkrebs-Diagnosen zumeist viel zu spät für eine heilende Behandlung per Chirurgie gestellt werden.

Genau das zeigen die harten Daten: 38 Prozent der Lungenkrebserkrankungen - die größte Gruppe - wurden erst im fortgeschrittenen Stadium IV mit kaum einer Heilungsaussicht festgestellt.

Zwar hat eine US-Studie ergeben, dass jährliche Niedrig-Dosis-Computertomografie-Untersuchungen von langjährigen Rauchern die Sterblichkeit um 20 Prozent senken könnten, doch trotzdem bliebe das Lungenkarzinom eine hochgradig tödliche Erkrankung.

Nur 874 der fast 2.300 Patienten konnten "radikal", also mit kompletter Tumorentfernung, operiert werden. 1.278 konnten nur noch palliativ, also vor allem symptomlindernd und das Fortschreiten der Erkrankung hemmend, behandelt werden. Hier wurden zum Teil bis zu fünf auf einander folgende medikamentöse Therapieschemata (Chemotherapie etc.) angewendet.

Kurt Kuchs Kampf Sinn geben

Das insgesamt betrübliche Ergebnis: Die durchschnittliche Lebenserwartung betrug 16,4 Monate, die Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung gar nur 5,1 Monate.

Die Lebenserwartung der Lungenkarzinompatienten stieg innerhalb der 20-jährigen Beobachtungszeit. Allerdings sterben weiterhin die meisten Erkrankten innerhalb absehbarer Zeit.

Anfang Jänner provozierte der Tod des Journalisten Kurt Kuch, der sich ab der Diagnose seiner Lungenkarzinomerkrankung massiv für die Anti-Rauch-Kampagne eingesetzt hatte, jene Entwicklung, die jetzt in Österreich zum Verbot des Rauchens in der Gastronomie führen soll. (APA, derstandard.at, 13.1.2015)

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