Games-Entwicklerinnen: Frau sein ist ein Hindernis

17. Jänner 2015, 12:00
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UK: Jede zweite Spielentwicklerin sieht laut neuer Studie ihr Geschlecht als Karriere-Stolperstein

In der britischen Games-Branche ist für Frauen nicht alles im Lot. Das legt eine Umfrage der Next Gen Skills Academy nahe, in der 311 Spieleentwicklerinnen befragt wurden. Ein hoher Anteil unter ihnen empfindet das eigene Geschlecht als "Hindernis" im Arbeitsumfeld und Karriere.

Frauen sind dabei in der Branche noch eine klare Minderheit. Sie stellen 14 Prozent des Personals. Der Umfang der Befragung qualifiziert die Ergebnisse als repräsentativ, da laut Schätzung rund 40 Prozent aller weiblichen Mitarbeiter in der britischen Videospielindustrie erfasst wurden.

Fast die Hälfte fühlt sich benachteiligt

45 Prozent geben an, dass ihr Geschlecht den Fortgang ihrer Karriere beeinträchtigt hat. Jede dritte Befragte gibt an, bereits einmal aufgrund ihres Geschlechts gemobbt oder belästigt worden zu sein.

Jedoch zeichnet sich Besserung ab. 84 Prozent urteilen, dass das betriebliche Umfeld mittlerweile zur Gleichbehandlung beiträgt, 94 Prozent wünschen sich weitere Maßnahmen. Oftmals haben sie noch das Gefühl, dass ihre Arbeit ignoriert, kleingeredet oder generell nicht ausreichend gewürdigt wird, fasst Games Industry zusammen.

Aufholbedarf

Laut der auch in der Branche erfahrenen Personalberaterin Geraldine Cross haben viele Firmen Aufholbedarf. So seien etwa neutrale, inklusiv formulierte Stellenausschreibungen – nicht nur hinsichtlich des Geschlechts - noch nicht an der Tagesordnung. Viele Jobbeschreibungen vermittelten von Anfang an den Eindruck, dass die für die Einstellung verantwortliche Person nach einer männlichen Arbeitskraft Ausschau halte. Oft seien sich Unternehmen dieser Problematik gar nicht bewusst.

Auch die Praxis, von bestehenden Mitarbeitern Vorschläge bezüglich Neuzugängen einzuholen, wird von ihr kritisiert. Dies birgt ihrer Einschätzung nach das Risiko, dass die Heterogenität und Diversität verloren geht und kein frischer Wind in den Betrieb gelange. (gpi, derStandard.at, 17.01.2015)

  • Auch in Großbritanniens Spielebranche gibt es noch Aufholbedarf hinsichtlich Gleichberechtigung, finden viele Entwicklerinnen.
    foto: reuters/ina fassbender

    Auch in Großbritanniens Spielebranche gibt es noch Aufholbedarf hinsichtlich Gleichberechtigung, finden viele Entwicklerinnen.

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