Abdullah-Zentrum bis Sommer auf dem Prüfstand

13. Jänner 2015, 14:13
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Bis Mitte 2015 will Außenminister Kurz eine Entscheid zu der umstrittenen Dialogstätte fällen

Wien – Obwohl der saudi-arabische Blogger Raif Badawi seit vergangener Woche jeden Freitag ausgepeitscht wird, wird das umstrittene "Dialogzentrum" des Königshauses in Wien zumindest bis Mitte des Jahres unbehelligt seine Arbeit fortsetzen können: Denn bis dahin will Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) die Aktivitäten der interreligiösen Stätte evaluieren, um dann einen Entscheid über seine weitere Existenz zu fällen, erklärte er auf Anfrage des STANDARD am Dienstag am Rande des Ministerrates. Hintergrund: Die zugesagte Finanzierung durch Saudi-Arabien läuft noch.

Seit der Gründung des Zentrums im Jahr 2012 auf Initiative des damaligen Außenministers Michael Spindelegger (ebenfalls ÖVP) macht Riad dafür 14 bis 16 Millionen Euro pro Jahr locker. Geleitet wird die Dialogeinrichtung von einem "Board of Directors", das aus Vertretern des Judentums, des Christentums, des Islam, des Hinduismus sowie des Buddhismus besteht. In Saudi-Arabien ist jedoch nur die Ausübung des Islam erlaubt – und der Journalist Badawi hatte sich auf seiner Website für die Gleichbehandlung aller Gläubigen, inklusive Atheisten, eingesetzt. Nachdem sich die Klubobleute von SPÖ und ÖVP, Andreas Schieder und Reinhold Lopatka, angesichts des Anschlags auf das Pariser Satiremagazin "Charlie Hebdo" im STANDARD offen die Sinnfrage bezüglich des Zentrums gestellt haben, erklärte auch Kanzler Werner Faymann (SPÖ) via "ZiB 2" sein Unbehagen mit dem Zentrum – und dass er sich eine Schließung vorstellen könne.

Das sofortige Aus für das Zentrum verlangt neben den Grünen ("Imagepolitur der Saudis") auch die Interessengemeinschaft der heimischen Autoren (IG Autoren Autorinnen). Deren Vorsitzender Gerhard Ruiss: "Das Zentrum ist angesichts dieser Politik in Saudi-Arabien nur eine zynische Farce." Ebenfalls offen ist, ob die von Minister Kurz begehrte Aufwertung des Kultusamts zu einer "operativen Religionsbehörde" zustande kommt, um das Einhalten des neuen Islamgesetzes kontrollieren zu können. Dazu verwies Faymann auf entsprechende Gespräche mit dem zuständigen Minister Josef Ostermayer (SPÖ) in den kommenden Wochen. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, 14.1.2015)

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