Skandale machen Manager-Versicherungen immer teurer

13. Jänner 2015, 12:31
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Versicherungssummen steigen laufend - Es geht um ein Millionengeschäft

Frankfurt - Vorstand ist heutzutage ein riskanter Job. Eine missglückte Übernahme, die Unterschrift unter eine Steuererklärung oder die Verfehlungen eines Untergebenen können ausreichen, um einem später den Prozess zu machen. Auch Aufsichtsräte, die eine unglückliche Entscheidung abgesegnet haben, können schnell vor Gericht landen.

Die Summen, die von den Top-Managern dann bei Zivilprozessen gefordert werden, übersteigen ihr Vermögen meist um ein Vielfaches - eine Milliarden-Strafe der Aufseher kann auch ein gut verdienender Konzernchef nicht aus eigener Tasche begleichen.

"Drohte Unternehmensleitern bei Managementfehlern in der Vergangenheit allenfalls die Entlassung, sind heute Schadensersatzansprüche in Millionenhöhe an der Tagesordnung", konstatiert der Versicherungsmakler Marsch. Das Bedürfnis von Managern und Unternehmen, sich abzusichern, ist deshalb massiv gestiegen. Besonders in der Bankenbranche, in der es eine Vielzahl von Prozessen wegen Verfehlungen vor und während der Finanzkrise gab, haben Versicherungen für Directors & Officers (D&O) stark an Bedeutung gewonnen.

Abgesichert

Die Geldhäuser, die die Beiträge für die D&O-Versicherung selbst bezahlen, sicherten bei den Assekuranzen immer höhere Schäden ab, sagt Marcel Roeder vom weltgrößten Versicherungs-Makler Aon. "Bei größeren deutschen Geldhäusern sind Deckungssummen von 200 bis 250 Millionen Euro heute keine Seltenheit mehr, vor der Finanzkrise waren es zum Teil lediglich 75 Millionen Euro." Assekuranzen zahlen diese Summe in der Regel maximal einmal pro Jahr aus. Am höchsten liegt die Summe hierzulande Finanzkreisen zufolge mit 500 Mio. Euro bei der Deutschen Bank. Deutschlands größtes Geldhaus steht wegen einer Reihe von Skandalen im Visier der Behörden - unter anderem wegen Steuerhinterziehung, der Pleite des Medienkonzerns Kirch und der Manipulation von Referenzzinssätzen.

Wegen solcher Fälle gehen die Beiträge für D&O-Versicherungen durch die Decke. "Bei den Banken sind die Preise seit der Finanzmarktkrise um 20 bis 40 Prozent gestiegen", sagt Roeder. "Am unteren Ende liegen risikoarme, regionale Institute wie die Sparkassen, am oberen Ende global tätige Investmentbanken." Eine mittelgroße Bank mit konservativem Geschäftsmodell und einer Bilanzsumme von 200 Mrd. Euro muss Branchenkreisen zufolge derzeit eine Prämie von 1 bis 1,5 Mio. Euro pro Jahr berappen, um Schäden bis 250 Mio. Euro abzusichern. Experten gehen davon aus, dass die Preise noch einige Zeit auf hohem Niveau verharren werden. Die Aufarbeitung der Finanzkrise und anderer Verfehlungen sei schließlich noch voll im Gange, sagt Roeder. "Die Zeit der Bußgelder ist noch lange nicht vorbei, beispielsweise wegen der Manipulation des Libor oder des Gold- und Devisenmarktes."

Eine Zivilklage eingereicht hat bereits die BayernLB, die von ihren Ex-Vorständen wegen des kostspieligen Kaufs der ehemaligen österreichischen Tochter Hypo Alpe Adria insgesamt 200 Mio. Euro Entschädigung verlangt. Die HSH Nordbank fordert von ehemaligen Spitzenmanagern Schadensersatz wegen umstrittener Geschäfte mit der französischen Bank BNP Paribas.

Zurückgezogen

Wegen der vielen Schadensfälle haben sich einige D&O-Versicherungen inzwischen ganz aus dem Finanzsektor zurückgezogen, manche zumindest aus besonders risikobehafteten Bereichen wie Schiffsfonds. Zu den größten verbliebenen Anbietern in Deutschland und weltweit zählen Zurich, AIG sowie die Allianz-Sparte AGCS. Große Geldhäuser schließen in der Regel einen Vertrag mit einem Anbieter, der dann andere Versicherungen im Rahmen eines Konsortiums an Risiken und Prämieneinnahmen beteiligt.

Kommt es zu Gerichtsprozessen, spielen die Versicherungen eine wichtige Rolle. "Wir sind mit den Versicherten und ihren Anwälten dauerhaft in Kontakt und erarbeiten eine gemeinsame Abwehrstrategie", erzählt der Mitarbeiter eines D&O-Anbieters. Wenn ein Vorstand vor Gericht gewinnt, müsse schließlich auch die D&O nichts zahlen. In der Regel wird die Assekuranz schon bei Strafprozessen eingebunden, da diese häufig Auswirkungen auf später folgende Zivilprozess haben.

Einigen sich Kläger und Manager auf einen Vergleich - was in Wirtschaftsprozessen relativ häufig passiert - hat die D&O-Versicherung in der Regel zuvor grünes Licht gegeben, für die vereinbarte Zahlung aufzukommen. "Alles andere wäre für die Vorstände wahnsinnig, weil die Summen ihr Vermögen bei vielen Prozessen deutlich übersteigen", sagt ein D&O-Anwalt.

Blind vertrauen sollten Manager ihrer Versicherung aber keineswegs. Die D&O springt nämlich meist nur ein, wenn Manager durch fahrlässiges Handeln einen Schaden verursacht haben. Bei vorsätzlichen Pflichtverletzungen müssen die Firmenlenker dagegen alleine haften. "In manchen Fällen dreht sich die D&O deshalb um und versorgt die Staatsanwaltschaft mit Informationen", erzählt Bernd Mayer, der die Kanzlei Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom in Deutschland leitet. Wenn die Staatsanwälte vorsätzliches Handeln dann beweisen können, sei die Assekuranz fein raus, sagt Mayer. "D&O-Versicherungen haben kein unbändiges Interesse, jeden Schaden auszugleichen." (APA/Reuters, 13.1.2015)

  • Ein Abwehrschirm in Versicherungsform für Manager wird immer teurer.
    foto: epa/bodo marks

    Ein Abwehrschirm in Versicherungsform für Manager wird immer teurer.

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