Papst auf Sri Lanka: Appell zur Versöhnung nach Bürgerkrieg 

13. Jänner 2015, 10:48
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Von neuem Präsidenten Sirisena empfangen – Nur rund sechs Prozent der Sri Lanker sind Christen

Vatikanstadt/Colombo – Papst Franziskus ist auf Sri Lanka von Tausenden jubelnden Menschen empfangen worden – darunter auch Buddhisten, Muslime und Hindus. Er appellierte an die Menschen in der ethnisch und religiös geteilten Tropeninsel, Feindseligkeit und Misstrauen zu überwinden. Sri Lanka litt bis 2009 jahrzehntelang unter einem Bürgerkrieg.

Besuch in Zeit des Umbruches

Anhänger der verschiedenen Religionen trügen Verantwortung in dem "heiklen Versöhnungs- und Aufbauprozess", der gerade stattfinde, sagte der Papst am Dienstag. Franziskus kommt auch politisch in einer Zeit des Umbruchs: Seit vergangener Woche hat Sri Lanka einen neuen Präsidenten, der den zunehmend autokratischen Mahinda Rajapaksa nach zehn Jahren an der Macht ablöste. Er wolle Frieden und Freundschaft fördern, versprach Präsident Maithripala Sirisena, als er den Papst begrüßte. Unterstützt wurde Sirisena bei der Wahl in der vergangenen Woche von einer breiten Koalition aus Buddhisten, Christen und Muslimen.

Mehrheit der Sri Lanker sind Buddhisten

Das Oberhaupt der Katholiken erklärte, seine Kirche liebe und sorge sich um alle Bürger Sri Lankas. Nur 6,1 Prozent der Sri Lanker sind Katholiken; mehr als drei Viertel sind Buddhisten. "Alle müssen frei sein, ihre Anliegen, Bedürfnisse, Wünsche und Befürchtungen zu äußern", meinte er. In den vergangenen Jahren hatten Menschenrechtler immer wieder beklagt, dass Aktivisten Drohungen und Angriffen ausgesetzt sind. Auch Journalisten, die die Regierung kritisierten, wurden bisher überwacht und eingeschüchtert.

Heiligsprechung eines Missionars

Der Papst sagte, der Höhepunkt seiner dreitägigen Reise auf Sri Lanka sei die Heiligsprechung des indischen Missionars Joseph Vaz. Es ist das erste Mal, dass jemand in Sri Lanka heiliggesprochen wurde. Vaz wurde 1651 im indischen Goa geboren, verbrachte die meiste Zeit seines Lebens aber auf Sri Lanka. Dort missionierte er trotz der Kolonialherrschaft der calvinistischen Niederländer und baute die katholische Kirche auf der Insel wieder auf.

Außerdem wird er ein interreligiöses Treffen leiten und eine Messe in einem Park am Meer halten, zu der etwa eine halbe Million Menschen erwartet werden. Etwa 23.000 Polizisten stehen bereit, um die Massen zu kontrollieren. Der Mittwoch wurde kurzerhand zum Feiertag erklärt – für alle Bewohner der Insel.

Die Millionenstadt Colombo ist für den Besuch des 78 Jahre alten Argentiniers festlich hergerichtet worden. Entlang der 23 Kilometer langen Strecke vom Flughafen Bandarnaike in die Stadt hingen Fahnen. Bereits beim Flugzeug des Papstes standen Trommler, Tänzer, Kindergruppen und sogar ein Elefant für ihn Spalier. Ein Chor sang, 21 Schüsse wurden abgefeuert.

Besuch der tamilischen Minderheit

Franziskus wird auch in den Norden der Insel fliegen, wo die tamilische Minderheit lebt. Dort kämpften die Rebellen der Terrororganisation LTTE für einen eigenen Staat. "Sri Lanka hat über viele Jahre die Schrecken von inneren Unruhen erlebt", sagte Franziskus. Wichtig für den Heilungsprozess sei nun auch das Streben nach Wahrheit. Sri Lanka tat sich bisher äußerst schwer mit der Aufarbeitung des Krieges. Eine internationale Untersuchung möglicher Kriegsverbrechen der Armee lehnte der bisherige Präsident ab.

Am Donnerstag wird Franziskus auf die Philippinen weiterfliegen. Es ist bereits die zweite Asienreise von Franziskus, um zum Ausdruck zu bringen, welch große Bedeutung er diesem Kontinent zumisst. (APA, 13./14.1.2015)

  • Papst Franziskus bei der Ankunft am Flughafen in Colombo.
    foto: reuters/stefano rellandini

    Papst Franziskus bei der Ankunft am Flughafen in Colombo.

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