Chinas Außenhandel schwächelt

13. Jänner 2015, 09:56
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Das schwächste Wachstum seit 24 Jahren zeichnet sich ab, der Außenhandelsüberschuss ist deutlich gestiegen

Peking - Mit einem enttäuschenden Zuwachs des Außenhandels um nur 3,4 Prozent hat Exportweltmeister China 2014 sein selbst gestecktes Ziel nicht einmal zur Hälfte erreicht. Hoffnung machte allerdings im Dezember der unerwartet starke Anstieg der Ausfuhren um 9,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Importe fielen zum Jahresende laut Zollverwaltung wegen sinkender Rohstoffpreise um 2,4 Prozent.

Für 2014 hatte die Regierung in Peking ursprünglich einen Zuwachs des Außenhandels um 7,5 Prozent angestrebt. Ihr Ziel wurde aber im dritten Jahr in Folge verfehlt. Damit dürfte auch das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde in diesem Jahr unter den Erwartungen der Führung in Peking von 7,5 Prozent bleiben. Das wäre das kleinste Plus seit 24 Jahren. Eine erste Schätzung wird kommende Woche veröffentlicht.

Die verlangsamte Erholung der Weltwirtschaft und niedrige heimische Investitionen und Nachfrage sind die Hauptgründe für den enttäuschenden Außenhandel, sagte Zollsprecher Zheng Yuesheng. Die Exporte legten im ganzen Jahr um 6,1 Prozent zu, während die Importe nur um 0,4 Prozent anstiegen. Chinas Außenhandelsüberschuss stieg damit 2014 kräftig um 45 Prozent auf 2,35 Bill. Yuan, heute umgerechnet 320 Mrd. Euro.

Deutliche Verbesserung zu Jahresende

Trotz der schlechten Handelsdaten für 2014 sahen Experten zum Jahresende eine "deutliche Verbesserung" der Lage. Der Chefökonom der Royal Bank of Scotland für China, Louis Kuijs, verwies auf die stark gefallenen Preise für importierte Rohstoffe, den Rückgang der Exportpreise und den Wertanstieg der chinesischen Währung. Die chinesischen Ausfuhren wüchsen auch schneller als die globale Nachfrage, was auf wachsende Marktanteile hindeute und Chinas Wettbewerbsfähigkeit unterstreiche.

Der Handel mit der Europäischen Union, die 2014 der größte Handelspartner Chinas blieb, wuchs um 8,9 Prozent auf 3,78 Bill. Yuan, umgerechnet 515 Mrd. Euro. Mit den USA, Chinas Nummer Zwei, wuchs der Handel um 5,4 Prozent auf 3,41 Bill. Yuan (466 Mrd. Euro). Der Handel mit den Südostasiatischen Ländern (ASEAN) legte um 7,1 Prozent zu. Mit Japan gab es angesichts des schwachen japanischen Yens einen Rückgang um ein Prozent.

Von dem unerwarteten starken Zuwachs der Exporte im Dezember wollten Experten noch keine Rückschlüsse auf das kommende Jahr ziehen. Ursache für die Belebung waren größere Nachfrage in den USA, Europa und Südostasien. Sollte die US-amerikanische Wirtschaft in diesem Jahr weiter kräftiger als bisher wachsen, dürfte auch Chinas Exportmaschinerie wieder stärker anspringen.

Beunruhigt über Yuan-Anstieg

Experten der australischen ANZ-Bank äußerten sich aber beunruhigt über den Wertanstieg des chinesischen Yuan (Renminbi), der trotz des starken Handelsüberschusses im vierten Quartal zulegte. Der hohe Wechselkurs "deutet darauf hin, dass die Währungsintervention der Zentralbank wieder zugenommen hat". Die Notenbank in Peking fürchte offenbar große Kapitalabflüsse, die die finanzielle Stabilität gefährdeten, glauben die ANZ-Experten.

Die deutschen Exporteure sehen die schwächelnde Nachfrage aus der Volksrepublik mit einer gewissen Sorge. Im abgelaufenen Jahr zogen die chinesischen Importe insgesamt um nur 0,4 Prozent an. "Der Markt hat sich im letzten Quartal ziemlich abgekühlt", sagte der Vertriebsvorstand des Autobauers BMW, Ian Robertson. China ist seit Jahren eine der am schnellsten wachsenden Regionen für deutsche Unternehmen. "Die Importe signalisieren eine anhaltende Schwäche des chinesischen Binnenmarktes", sagte NordLB-Analyst Frederik Kunze.

Er rechnet dennoch damit, dass "Made in Germany" gefragt bleibt. "Wir sehen allerdings insbesondere für qualitativ hochwertige Güter nach wie vor eine hohen Bedarf im Reich der Mitte", sagte der Experte. "Hiervon kann insbesondere die deutsche Exportwirtschaft profitieren." Daimler-Chef Dieter Zetsche ist ähnlicher Meinung. "Ich sehe keine drastische Verlangsamung des Wachstums, sondern eine ziemlich stabile wirtschaftliche Entwicklung", sagte Zetsche zu Reuters. Daimler hat sich für 2015 vorgenommen, erstmals mehr als 300.000 Pkw in China zu verkaufen. Die stark gesunkenen Ölpreise dürften die dortigen Verbraucher entlasten und Spielraum für höheren Konsum schaffen.

Chinas Exporte legten im abgelaufenen Jahr mit 6,1 Prozent etwa doppelt so stark zu wie die deutschen. Im Dezember gab es mit 9,7 Prozent sogar einen unerwartet kräftigen Zuwachs, weil die Lieferungen in die USA und in die Sonderwirtschaftszone Hongkong spürbar zulegten. "Chinas Exportsektor bleibt einer der weltweit am stärksten wachsenden", sagte Ökonom Julian Evans-Pritchard von Capital Economics. "Auch wenn die Weltwirtschaft fragil bleibt, erwarten wir doch ein Wachstum in Chinas Schlüsselmärkten wie den USA." (APA, 13.1.2015)

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