Deutscher OneDrive-Nutzer: Razzia nach Upload verdächtiger Datei

13. Jänner 2015, 09:26
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Hatte große Datenmengen auf Microsofts Cloud-Service hochgeladen, automatischer Scan löste Kinderporno-Verdacht aus

Ein paar vermeintlich privat abgespeicherte Bits und Bytes können zu einer Hausdurchsuchung führen: Diese Erfahrung musste unlängst ein Deutscher machen, der Microsofts Cloud-Service OneDrive als Speicherplatz für eine Vielzahl persönlicher Daten nutzt. Er wird nun mit dem Vorwurf konfrontiert, Kinderpornographie konsumiert zu haben. Der Mann bestreitet dies allerdings vehement.

"Große Datenmengen" abgespeichert

Was war passiert? Nach der Darstellung des IT-Anwalts Udo Vetter, der den OneDrive-Nutzer juristisch vertritt, hat jener große Mengen an Daten gesammelt. Der Mandant bezeichne sich selbst als "Internet-Junkie", so Vetter. Er sammle große Mengen Material, die er anschließend in seinen vermeintlich privaten Cloud-Speicher hoch lade, darunter auch Pornographie. In diesen "etlich tausend unbedenklichen Aufnahmen" habe sich laut Vetter auch ein möglicherweise als Kinderpornographie einzustufendes Bild befunden.

Kinderporno-Scanner

Der Verdacht lenkte sich auf den Mann, da Microsoft auf OneDrive gespeicherte Dateien automatisch einem Scan unterzieht. Dabei werden die Bilder mit bereits behördlich bekannter Kinderpornographie abgeglichen. Schlägt der Scanner an, werden Strafbehörden informiert. Eine Methode, die unter anderem auch Google in seinem E-Mail-Service Gmail einsetzt. Im Fall des deutschen OneDrive-Nutzers rückte die Polizei an, um bei einer Hausdurchsuchung sämtliche Hardware zu beschlagen, so Winfuture.

Postgeheimnis?

Während der Kampf gegen Kinderpornographie natürlich auch von Datenschützern unterstützt wird, äußern sie an den automatischen Scans große Kritik. Denn in Deutschland gelte, ebenso wie in Österreich, das Postgeheimnis. IT-Konzerne dürfen Cloudspeicher und E-Mail-Accounts zwar "für eigene Zwecke" – also IT-Sicherheit oder Werbung – durchsuchen, allerdings keine Daten an Dritte weitergeben. Datenschützer verweisen etwa darauf, dass solche Scans auch eingesetzt werden könnten, um Urheberrechtsdelikte aufzuspüren. Der Anwalt des OneDrive-Nutzers will den Fall nun nutzen, um den "lockeren Umgang der Speicheranbieter mit dem deutschen Telekommunikationsgeheimnis" zu thematisieren. (fsc, derStandard.at, 13.1.2015)

  • Microsoft wird von Datenschützern wegen automatischer Scans kritisiert
    foto: dapd/schalit

    Microsoft wird von Datenschützern wegen automatischer Scans kritisiert

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