Britischer Premier will Verschlüsselung verbieten

13. Jänner 2015, 08:59
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Cameron: Sicherheitsbehörden brauchen Zugriff auf alle Daten – Backdoor oder Verbot für Whatsapp, iMessage und Co

Im Gefolge der islamistischen Terroranschläge von Paris ist die zu erwartende Diskussion über rechtliche Verschärfungen losgebrochen. Und dabei scheint es derzeit keine Grenze für die Überwachungsfantasien so mancher Politiker zu geben. So will der britische Premier David Cameron nun neue gesetzliche Regelungen forcieren, die Geheimdiensten wie GCHQ oder MI5 einen Zugriff auf die gesamte Internetkommunikation garantieren soll.

Fragen über Fragen

"Wollen wir in unserem Land wirklich Formen der Kommunikation erlauben, die wir selbst nicht lesen können?", zitiert "The Independent" eine wohl rhetorische gemeinte Frage des Premierministers. Die Aussagen von Cameron kommen nur wenige Tage, nachdem sich der MI5 darüber beschwert hatte, dass es immer mehr Kommunikationsstränge gäbe, die man nicht mehr mitlesen könne – was eine echte Gefahr für die innere Sicherheit darstelle.

Verschlüsselung

Im Gefolge der Snowden-Enthüllungen haben zahlreiche Softwarehersteller die Verschlüsselung der Kommunikation forciert, um die Privatsphäre ihrer Nutzer vor der flächendeckenden Überwachung durch die Geheimdienste zu schützen. Ein Gesetz, wie es jetzt von Cameron gefordert wird, würde solche effektiv funktionierende Verschlüsselung also illegal machen beziehungsweise die Hersteller zum Einbau von Hintertüren für die Behörden zwingen. Dies könnte nicht zuletzt zahlreiche Messenger-Services treffen, etwa Whatsapp oder auch iMessage oder Snapchat.

jeremy wilson

Wie eine solche Maßnahme in der Praxis umgesetzt werden soll, lässt Cameron freilich offen. Zwar kann man in Großbritannien agierenden Unternehmen durchaus rechtliche Vorschriften machen, diesen steht aber natürlich frei, ihre Aktivitäten ins Ausland zu verlagern. Dann bliebe dem britischen Staat nur mehr die Blockade dieser Dienste – was sich natürlich über VPNs und andere Maßnahmen austricksen lässt. Dass man auch VPNs verbieten will, erscheint aufgrund der weiten Verbreitung im Unternehmensbereich allerdings reichlich unrealistisch. Zudem würde dies noch immer niemanden davon abhalten, auf seinem eigenen Rechner End-zu-End-Verschlüsselungssoftware – wie etwa PGP – zu installieren und zu nutzen.

Gefahr

Auch Sicherheitsexperten warnen seit Jahren vor dem Einbau von Hintertüren in Software. Selbst wenn man dagegen keine prinzipiellen Privacy-Bedenken hege, seien solche Maßnahmen schlicht gefährlich. Würden Backdoors doch schnell zum Ziel für kriminelle Organisationen und Geheimdienste anderer Regierungen, denen auf diese Weise quasi ein zentraler Angriffspunkt geboten wird. (apo, derStandard.at, 13.1.2015)

  • Der britische Premierminister David Cameron will effektive Verschlüsselung verbieten lassen.
    foto: darren staples / reuters

    Der britische Premierminister David Cameron will effektive Verschlüsselung verbieten lassen.

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