Mohammed-Karikaturen auch in neuer Ausgabe von "Charlie Hebdo"

13. Jänner 2015, 07:25
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"Ausgabe der Überlebenden" wird ausschließlich von Mitarbeitern der Zeitschrift gestaltet – Vertrieb kündigt Rekordauflage von drei Millionen an – Satiremagazin erscheint in 16 Sprachen

Paris – Die erste Ausgabe der französischen Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" nach dem blutigen Angriff vom vergangenen Mittwoch erscheint mit einem Mohammed-Titel. Auf der Seite 1 ist der islamische Prophet mit einem Plakat mit der Aufschrift "Je suis Charlie" (Ich bin Charlie) zu sehen.

Das Magazin erscheint am Mittwoch mit einer Rekordauflage von drei Millionen Exemplaren. Über der Zeichnung des weiß gekleideten Propheten, der weint, ist die Zeile "Alles ist vergeben" zu lesen. Der Anwalt des Magazins, Richard Malka, teilte am Montag mit, der Geist von "Je suis Charlie" bedeute auch ein "Recht auf Blasphemie". Seit 22 Jahren habe es keine Ausgabe des Magazins gegeben, in dem nicht der Papst, Jesus Christus, Bischöfe, Rabbiner, Imame oder der Prophet Mohammed karikiert worden seien.

"Charlie Hebdo" werde "natürlich" wie in früheren Ausgaben alle Religionen auf die Schippe nehmen und "nicht zurückweichen", sagte der Jurist Richard Malka am Montag einem französischen Radiosender.

"Sonst hätte das alles keinen Sinn gehabt", ergänzte Malka. Nach Angaben des Finanzdirektors von "Charlie Hebdo", Eric Portheault, wird die "Ausgabe der Überlebenden" ausschließlich von Mitarbeitern der Satirezeitschrift konzipiert. Angebote anderer Karikaturisten aus dem In- und Ausland, Beiträge beizusteuern, habe die Redaktion abgelehnt.

Millionen für Meinungsfreiheit

Am Sonntag hatten in ganz Frankreich fast vier Millionen Menschen, davon allein 1,6 Millionen in der Hauptstadt Paris, unter anderem für die Meinungsfreiheit demonstriert. Viele der Demonstranten trugen dabei Plakate mit der Aufschrift "Je suis Charlie".

Mit dem Slogan protestieren seit Tagen Menschen weltweit gegen den Angriff auf die Redaktionsräume von "Charlie Hebdo" im Herzen von Paris. Dabei hatten am Mittwoch vergangener Woche zwei islamistische Attentäter insgesamt zwölf Menschen getötet, darunter "Charlie Hebdo"-Chef Stéphane Charbonnier alias Charb und vier andere Karikaturisten.

Auflage drei Millionen

Das enorme weltweite Interesse nach dem blutigen Anschlag rechtfertige die hohe Auflage von drei Millionen Exemplaren, teilte der Vertrieb MLP am Montag mit. Nach dem Angriff war zunächst eine Rekordauflage von einer Million angekündigt worden. Üblicherweise werden 60.000 Exemplare gedruckt, von denen etwa 30.000 verkauft werden. Nach dem Angriff lägen nun Anfragen aus aller Welt für die neue Ausgabe vor, teilte der Vertrieb mit. Das Magazin erscheint in 16 Sprachen. Statt der üblichen 16 Seiten sind diesmal nur acht vorgesehen.

Seit Freitag arbeitete rund ein Dutzend Mitarbeiter an der neuen Ausgabe. Üblicherweise werden nur rund 4000 Exemplare ins Ausland verkauft, diesmal sollen rund 300.000 in 25 Länder geliefert werden.

Die linksgerichtete "Libération" hatte die verbliebenen Mitarbeiter von "Charlie Hebdo" in ihren Redaktionsräumen untergebracht, weil die Büros des Satireblattes wegen der laufenden Ermittlungen derzeit nicht genutzt werden können. Bereits im Jahr 2012, als die Redaktionsräume von "Charlie Hebdo" nach der Veröffentlichung vom Mohammed-Karikaturen durch einen Brandanschlag verwüstet wurden, hatte "Libération" die Kollegen des Satiremagazins vorübergehend beherbergt.

Kerry besucht Paris

US-Außenminister John Kerry will nach der Kritik am Fehlen hochrangiger US-Politiker beim Gedenkmarsch für die Terroropfer am Donnerstag und Freitag Paris besuchen, um Solidarität zu zeigen.

Abschied von Polizisten

Am Dienstag nimmt Frankreich Abschied von den drei erschossenen Polizisten. Zu der Veranstaltung in der Polizeipräfektur in Paris wird auch Präsident François Hollande erwartet. (APA, 12.1.2015)

  • Die Titelseite der kommenden Ausgabe von "Charlie Hebdo".
    foto: epa/charlie hebdo

    Die Titelseite der kommenden Ausgabe von "Charlie Hebdo".

  • Polizisten in Paris bei der Trauerfeier für die getöteten Kollegen.
    foto: reuters/gonzalo fuentes

    Polizisten in Paris bei der Trauerfeier für die getöteten Kollegen.

  • Auch in Jerusalem gab es am Dienstag eine Trauerfeier für Opfer des Anschlages von Paris.
    foto: reuters/nir kafri

    Auch in Jerusalem gab es am Dienstag eine Trauerfeier für Opfer des Anschlages von Paris.

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