"Unheilige Allianz" von Zeman und Orbán gegen Migranten

12. Jänner 2015, 17:15
77 Postings

Tschechiens Präsident und Ungarns Premier einig

Prag/Paris/Wien - In seltener Einigkeit haben sich zwei Spitzenpolitiker mitteleuropäischer EU-Länder als Reaktion auf den Terror in Paris gegen Zuwanderung ausgesprochen. Dabei geht der linksorientierte tschechische Präsident Milos Zeman in seinen Vorschlägen sogar noch weiter als Ungarns rechtsnationaler Premier Viktor Orbán. Beiden Politikern werden ausgeprägte populistische Neigungen nachgesagt.

"Genetisch" nie der Kultur anpassen

Zeman, der für "unkonventionelle" Äußerungen bekannt ist, empfahl am Wochenende in der Zeitung Deník, Einwanderer in die Heimatländer abzuschieben, weil sie sich "schon genetisch" nie der Kultur ihrer Gastländer anpassen würden. Die linke Tageszeitung Právo schrieb dazu, Zemans Vorschlag bedeute "nichts anderes, als Bürger aus dem Land zu deportieren, nur weil sie einigen als nicht ausreichend anpassungsfähig erscheinen". Und weiter: "Wie das endet, hat die Geschichte schon mehrfach gezeigt. Zeman sagte jüngst, dass er seine gesunkene Popularität genau beobachte. Wir werden sehen, ob sie mit diesem Schachzug wieder steigt."

Orbán sagte am Rande des Solidaritätsmarsches in Paris, die Wirtschaftsmigration bringe "nur Probleme und Gefahren für die europäischen Menschen. Deshalb muss die Einwanderung gestoppt werden." In Ungarn gibt es allerdings keine nennenswerte Einwanderung. Stattdessen haben in den vergangenen Jahren hunderttausende Ungarn angesichts der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse das Land verlassen.

"Ungarn bewahren"

Zum ungarischen Staats-TV sagte Orbán in Paris weiter: "Wir wollen keine zahlenmäßig bedeutsamen Minderheiten bei uns sehen, die sich in ihren kulturellen Eigenschaften und Hintergrund von uns unterscheiden. Wir möchten uns Ungarn als Ungarn bewahren." (red, DER STANDARD, 13.1.2015)

Share if you care.