Prozess in Wien: Serienbetrüger aus bestem Haus

13. Jänner 2015, 08:00
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Ein junger Mann soll auf großem Fuß gelebt haben. Sein Problem: Er hat Nächtigungen und Waren gar nicht oder mit fremdem Geld bezahlt

Wien – Wer wissen will, warum das Bundesheer kein Geld mehr hat, erfährt beim Prozess gegen Bernhard F., dass die Landesverteidiger ihre Barbestände offenbar anstandslos jedem aushändigen, der sie verlangt.

Dem 21-jährigen B. wird gewerbsmäßiger schwerer Betrug vorgeworfen, den er vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Katharina Adegbite-Lewy größtenteils zugibt – auch dass es ihm zweimal gelungen ist, in der Militärakademie in Wiener Neustadt die Handkassa zu verlangen und die insgesamt 1.400 Euro zu bekommen. Offenbar reichte es aus, zu behaupten, er sei beauftragt, sie irgendwo abzuliefern.

Eloquenter Angeklagter

Dass der Angeklagte damit durchkam, ist glaubhaft, wenn man ihn im Gerichtssaal beobachtet. Er tritt im Anzug auf, ist eloquent und dosiert selbstbewusst. Gleichzeitig ist er aber auch besachwaltet, da er an einer "emotionalen Persönlichkeitsstörung" leidet. Genauer ausgedrückt: Er handelt impulsiv, ohne nachzudenken, wie sein Verteidiger Stefan Weishaupt aus einem Befund zitiert.

B.s Lebensgeschichte ist immer wieder Thema, etwa als es darum geht, warum er mit fremden Kreditkarten in kurzer Zeit gleich 26-mal eingekauft und mehr als 8.000 Euro verpulvert hat. Die Beute war durchwegs hochpreisig, beispielsweise eine Louis-Vuitton-Tasche, die er wieder veräußerte.

Die Oma, die verwöhnt

Aber auch Markenkleidung für den eigenen Bedarf erwarb er. "Warum kaufen Sie die?", fragt Adegbite-Lewy. "Wenn man am Abend fortgeht. Ich habe das schon von klein auf immer getragen. Die Oma hat mich verwöhnt."

Vielleicht könnte man es als Wohlstandsverwahrlosung bezeichnen, was mit B. passiert ist. Beide Eltern erfolgreiche Unternehmer, die Großmutter Besitzerin mehrerer Zinshäuser. Jedoch: "Mein Vater hat einmal in meinem Leben zu mir gesagt, dass er mich lieb hat. Einkaufen hat mich glücklicher gemacht, als daheim zu sein", behauptet der Angeklagte. "Da müssen Sie ja dann superglücklich gewesen sein", mutmaßt die Vorsitzende über seine illegale Shoppingtour. "Nicht wirklich", lautet die Antwort.

Gutschein auf eigenen Namen selbst ausgestellt

Ein Indiz für Verteidiger Weishaupt, dass sein Mandant ein echtes psychisches Problem hat: Er hat sich auf fremde Rechnung auch einen 1.800-Euro-Reisegutschein gekauft – aber ausgestellt auf seinen eigenen Namen.

"Wie soll es mit Ihnen weitergehen?", zeigt sich Adegbite-Lewy interessiert. "Nach der Entlassung will ich anfangs wieder zu den Eltern." – "Die sind heute ja nicht einmal da", stellt die Vorsitzende fest. Der Vater sei beruflich verhindert, die Mutter krank, klärt der Verteidiger auf. Und während der Haft habe die Familie wieder zusammengefunden.

Nach halbstündiger Beratung das rechtskräftige Urteil: 24 Monate Haft, davon acht unbedingt. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 13.1.2015)

  • So sie echt sind, gelten Taschen von Louis Vuitton als exklusives Gut,  was wohl ein Grund ist, warum ein Angeklagter auf sie aus war.
    foto: reuters/charles platiau

    So sie echt sind, gelten Taschen von Louis Vuitton als exklusives Gut, was wohl ein Grund ist, warum ein Angeklagter auf sie aus war.

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