Abdullah-Zentrum: "Bandion-Ortner is not available"

12. Jänner 2015, 16:41
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Nach Kritik an öffentlicher Auspeitschung: Abdullah-Zentrum in Wien hat "kein Mandat", Urteil für saudischen Blogger Badawi zu kommentieren

Wien – Trotz erneut aufgeflammter Debatte um das König-Abdullah-Zentrum in Wien ist die Vize-Generalsekretärin des saudi-arabischen Zentrums nicht zu sprechen. "Claudia Bandion-Ortner is not available", hieß es am Montag auf Standard-Anfrage, obwohl jetzt auch die Klubchefs von SPÖ und ÖVP, Andreas Schieder und Reinhold Lopatka, die Sinnfrage für das Zentrum stellen.

Nicht qualifiziert für juristische Entscheide

Denn am Freitag wurde in Saudi Arabien der Blogger Raif Badawi, der sich für die Gleichwertigkeit von Muslimen, Juden, Christen, Atheisten einsetzt, ausgepeitscht. Peter Kaiser, Kommunikationsmanager des Zentrums erklärt dazu: "Das Zentrum ist nicht qualifiziert, innerstaatliche wie juristische Entscheidungen souveräner Staaten zu kommentieren. Dafür haben wir kein Mandat."

Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) will in der Diskussion über das von Saudi-Arabien finanzierte Abdullah-Zentrum in Wien eine "Evaluierung" abwarten. Diese werde zeigen, ob es eine Zukunft habe. Die Grünen, die seit Jahr und Tag gegen das 2012 eröffnete Zentrum des Königshauses mobilisieren, fordern Rot und Schwarz auf, ihrem Antrag zuzustimmen, wonach das "Abkommen zwischen der Republik und dem Zentrum "aufzukündigen" sei, wenn Saudi Arabien "nicht bereit oder in der Lage ist, religiöse und kulturelle Toleranz zu garantieren". Menschenrechtssprecherin Alev Korun: "Das Zentrum dient den Saudis nur als Imagepolitur."

Konkret müsste Österreich das Zentrum mit Zustimmung der Gründerstaaten Saudi-Arabien und Spanien auflösen, die Republik kann jedoch u. a. den Beschluss eines Budgets blockieren. Damit wäre das Zentrum an der Weiterarbeit freilich gehindert. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, 13.1.2015)

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