Schlaganfall: 4,5 Stunden-Zeitfenster für Lysetherapie bestätigt

12. Jänner 2015, 15:22
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Eine neue Studie zeigt: Die Erfolgsrate der Lysetherapie ist bei Hochbetagten keineswegs schlechter, die Ergebnisse waren tendenziell sogar besser

In Österreich erleiden jedes Jahr etwa 24.000 Menschen einen Schlaganfall. Da dieser für den Betroffenen in der Regel schmerzlos ist, kommen immer noch viele Patienten zu spät auf eine Schlaganfallspezialstation, die sogenannte Stroke Unit. Denn: Die Behandlung muss schnellstmöglich beginnen, um bleibende neurologische Ausfälle oder gar den Tod zu verhindern.

Je früher die sogenannte Lysetherapie einsetzt, desto besser sind die Behandlungsergebnisse für die Patienten. Dies zeigt auch eine neue Meta-Analyse aller größeren Therapiestudien hervor, die jetzt in der Fachzeitschrift "The Lancet" erschienen ist.

Gerinnsel in Hirnarterie

Die Untersuchung bestätigte, dass die Lysebehandlung im Zeitfenster von 4,5 Stunden nach dem Schlaganfall und auch bei älteren Menschen effektiv ist, erklären die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Vier von fünf Schlaganfällen werden durch ein Blutgerinnsel in einer Hirnarterie ausgelöst, das bei einem Teil der Patienten durch eine Infusion mit dem Enzym Alteplase, der sogenannten Lysebehandlung, aufgelöst werden kann.

"Die Wirksamkeit der Lysetherapie wurde vor beinahe 20 Jahren erstmals in einer klinischen Studie belegt", sagt Neurologe Hans-Christoph Diener vom Uniklinikum Essen. Durchgeführt werde die Lyse jedoch nur bei etwa zehn Prozent der Schlaganfallpatienten in Deutschland. Dies liegt vor allem daran, dass nur etwa 30 bis 40 Prozent der Schlaganfallpatienten rechtzeitig die Klinik erreichen.

In einigen europäischen Ländern werde zudem bei leichten oder aber besonders schweren Schlaganfällen sowie bei Menschen über 80 Jahre von der Behandlung abgeraten. Ein internationales Forscherteam, geleitet von der Universitätsklinik Heidelberg, hat deshalb die Ergebnisse aus neun Studien zusammengefasst.

Frühe Behandlung entscheidend

"Für die Meta-Analyse haben wir die Daten aller 6.756 Studienteilnehmer einzeln ausgewertet, um ein möglichst unverfälschtes Bild von der Effektivität und den möglichen Risiken zu erhalten", sagt Studienleiter Werner Hacke. Die Studie bestätigte die Erfahrungen aus den Einzelstudien: Die Lysetherapie ist umso erfolgreicher, je früher sie begonnen wird.

Die Chancen eines Patienten, den Schlaganfall ohne schwere Behinderungen zu überleben, waren in den ersten drei Stunden um 75 Prozent höher als in der Vergleichsgruppe, die keine Lysetherapie erhielt. Wurde die Lyse drei bis 4,5 Stunden nach dem Schlaganfall begonnen, war die Überlebensrate immerhin noch 26 Prozent höher.

Hohe Erfolgsrate

"Unsere Ergebnisse bestätigen den Effekt der Lyse im Zeitfenster von 4,5 Stunden", erklärt Professor Hacke. Zu einem späteren Zeitpunkt, so der Experte, bleibe ihr Einsatz immer eine Einzelfallentscheidung. Derzeit sind viele Ärzte bei älteren Patienten noch zurückhaltend mit der Lysetherapie. "Die Angst vor Komplikationen ist weit verbreitet", sagt Neurologe Joachim Röther.

Da 1.729 Teilnehmer der Studien älter als 80 Jahre waren, liefert die aktuelle Meta-Analyse hier erstmals zuverlässige Ergebnisse. "Die Erfolgsrate der Lysetherapie war bei Hochbetagten keineswegs schlechter, die Ergebnisse waren tendenziell sogar besser", sagt Röther.

Keine Probleme bei Älteren

Auch hinsichtlich des Blutungsrisikos sieht der Experte bei älteren Patienten keine Probleme. Da das Enzym Alteplase Blutgerinnsel auflöst, sind Blutungen die am meisten gefürchtete Komplikation. Sie sind auch der Grund, warum vor der Lysetherapie immer eine Computer- oder eine Kernspintomografie durchgeführt wird, um Hirnblutungen als Ursache des Schlaganfalls auszuschließen.

Die Untersuchung verzögere zwar den Therapiebeginn, doch eine gut organisierte Stroke Unit mit entsprechend qualifiziertem Personal könne dies ausgleichen. "Wichtig ist die Aufklärung der Bevölkerung", sagt Diener. "Die Angehörigen müssen wissen, dass ein Schlaganfall immer ein Notfall ist, auch wenn Betroffene keine Schmerzen haben." (red, derStandard.at, 12.1.2015)

  • Bei einem Schlaganfall ist eine möglichst rasche Behandlung das Um und Auf.
    foto: wikipedia/cc/nephron

    Bei einem Schlaganfall ist eine möglichst rasche Behandlung das Um und Auf.

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