John Burnside: Mit dem Skalpell den Sitz der Seele erkunden

12. Jänner 2015, 17:09
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Der schottische Autor stellt seinen jetzt auf Deutsch erschienenen Debütroman am Donnerstag im Salzburger Literaturhaus vor

Wie die Rockbands Nazareth, The Skids und Big Country stammt auch der Autor John Burnside aus dem schottischen Dunfermline. Der 1955 geborene Arbeitersohn war zunächst selbst Hilfshackler gewesen, bevor er in Cambridge ein Sprachenstudium absolvierte. Seit 1996 widmet er sich hauptberuflich der Schriftstellerei, sein Werk umfasst Gedichtbände, Kurzgeschichten, düstere Romane sowie dunkle autobiografische Schriften, in denen der Schotte das brutale Vorstadtleben, häusliche Gewalt, Alkoholismus des Vaters und eigene Drogensucht schildert.

Erst jetzt ist sein Debütroman The Dumb House (1997) auf Deutsch erschienen, am Donnerstag stellt er Haus der Stummen (Albrecht-Knaus-Verlag 2014, Übersetzung: Bernhard Robben) im Salzburger Literaturhaus vor. Wie bei Burnside üblich geht es auch hier um die Abgründe der menschlichen Natur, diesmal in Form des Porträts eines jungen Wissenschafters, der von seinem maßlosen Forschergeist in den Wahnsinn getrieben wird.

Akbar der Große, so die Sage, hat einst einen Palast errichtet, in dem eine Gruppe Neugeborener - isoliert von der Außenwelt und versorgt von Stummen - aufwachsen sollte. Damit wollte er ergründen, ob Sprache erlernt oder angeboren ist. Burnsides Ich-Erzähler ist besessen davon, diese Frage endgültig zu klären, und ersinnt eine bizarr-blutige Versuchsanordnung, für deren Umsetzung er vor nichts zurückschreckt. Ein zutiefst gestörter - und verstörender - Held, der im Namen der Rationalität den Sitz der Seele erkunden möchte. Damit steht Haus der Stummen in der Tradition von Mary Shelleys Frankenstein, bloß dass Burnsides spinnerter Forscher so gar keine Empathie besitzt.

Viel Hoffnung bleibt bei dieser Faust-Parodie mit ihren detailgenauen Beschreibungen der Vivisektionen nicht. Lesung und Gespräch am Donnerstag, Übersetzung: Peter Arp, Moderation: Wolfgang Görtschacher. (dog, DER STANDARD, 13.1.2015)

15.1., Salzburg, Literaturhaus, Strubergasse 23, 19.30

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