Leerstandskonferenz sucht neue Ideen für verwaiste Schulen 

12. Jänner 2015, 12:57
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Vierte österreichische Konferenz thematisiert räumliche Potenziale von aufgelassenen Schulen im ländlichen Raum

Leoben - Sinkende Schülerzahlen sorgen für dramatisch niedrige Auslastungssituationen von Schulen in vielen ländlichen Regionen in Österreich: Zusammenlegungen und Schließungen von Schulstandorten, die verwaiste Schulhäuser mit sich ziehen, sind die Folge. Den Schulen und ihren ungenutzten räumlichen Potenzialen nimmt sich die "Leerstandskonferenz" in der Kunsthalle Leoben am 15. und 16. Jänner an.

Etliche ländliche Regionen in Österreich sind von Abwanderung betroffen. Und wo junge Menschen abwandern, wachsen auch keine Kinder nach - die Schulen bleiben leer. Was tun mit den Gebäuden, fragt sich das Architekturbüro "nonconform architektur vor ort", das ab dem kommenden Donnerstag ihre bereits vierte Konferenz zum Thema Leerstand im ländlichen Raum veranstaltet. "Standort der Konferenz ist Leoben, Prototyp einer von markantem Bevölkerungsrückgang betroffenen Stadt", so die Veranstalter.

Ausgezeichnetes Gebäude geschlossen

Die Konferenz bietet Vorträge und Diskussionen mit Experten zur unterschiedlichen demografischen Entwicklung ländlicher Gebiete sowie Beispiele zu Um- und Neubauten und der Zwischen- und Neunutzungen von Schulgebäuden. Vorgestellt werden z. B. die kuriose Situation rund um die Volksschule Warth in Vorarlberg: Das mit etlichen Architekturpreisen ausgezeichnete Schulgebäude wurde in den 1990er-Jahren in der 170-Seelen-Gemeinde eröffnet - und 2011 mangels ausreichender Schulkinder wieder geschlossen.

Umbau für Wohnungen

In Außervillgraten reagierte man im Vorjahr auf eine ähnliche Leerstandssituation mit einem Umbau für Genossenschaftswohnungen in den Obergeschoßen und Vereinslokalen im Sockelgeschoß, wie am zweiten Konferenztag vorgestellt wird. "Das aufmerksame Hinsehen auf aktuelle Entwicklungen und ein durchdachtes Handeln - auch von privaten Akteuren - zahlt sich häufig aus", so Roland Gruber von "nonconform architektur vor ort" mit Blick auf Gemeinden, welche die Zukunft mit einer schrumpfenden Schülerzahl aktiv gestalten.

Was Schule alles werden kann - u.a. ein Hotel - wird ein deutscher Hotel- und Restaurantbetreiber aus dem deutschen Bad Berleburg schildern. Auch Beispiele für "Wohngemeinschaften auf Zeit" in einem ehemaligen College oder einem zum Kunstatelier umfunktionierten Schulhaus werden vorgestellt.

Als Musterbeispiel für eine die regionale Wirtschaft belebende und umweltfreundliche Baumaßnahme wird die Sanierung der Volksschule Gnesau im Kärntner Bezirk Feldkirchen vorgestellt: Für die vier "Holzklassen" wurde Holz aus der Region weiterverarbeitet. Eine Exkursion führt zur Baustelle des Leobener Projektes Bildungszentrum Donawitz: Hier werden drei städtische Bildungseinrichtungen - die Volksschule, Neue Mittelschule und Polytechnische Schule - am Standort einer bisherigen Hauptschule vereint. (APA, 12.1.2015)

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