Manfred Deix: "In Österreich sind alle zu brav!"

12. Jänner 2015, 11:20
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Cartoonist über Österreich: "Man könnte wie eine Wildsau zeichnen, nichts würde passieren"

Paris/Wien - Cartoonist Manfred Deix vertraut angesichts des Anschlags in Paris auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" im Interview mit der "Tiroler Tageszeitung" (Sonntagsausgabe) auf den Zusammenhalt der Karikaturisten: "Diese Terroristen glauben, sie können ein Loch in die Community reißen, aber das wird ihnen nicht gelingen."

Zugleich sei die Weltlage alles andere als beruhigend: "Es passiert so viel. Übeltäter werden von Mal zu Mal stärker, deppert sind sie auch noch. Ich fürchte, da kommt noch einiges nach." Davon dürfe sich Satire aber nicht beeinflussen lassen, unterstrich Deix, von dem auch einige Zeichnungen in "Charlie Hebdo" veröffentlicht wurden.

Die Aufgabe der Satire sei klar: "Sie darf alles und muss alles, was mit der Moral des Zeichners zusammengeht. Man darf den eigenen Mut aber nicht überlisten und nicht brandgefährlich werden. Die regulative Vorrichtung des Zeichners in seiner eigenen Seele, auf diese muss er hören, darauf ist zu 100 Prozent Verlass", so Deix.

"Zu wenig wilde Hunde" in Österreich

Da würde er sich gerade in seiner Heimat bisweilen mehr Mut wünschen: "In Österreich sind alle zu brav! Österreich ist ein gesegnetes Land, niemand nutzt die Freiheiten aus. Man könnte wie eine Wildsau zeichnen, nichts würde passieren. Wir haben hier zu wenig wilde Hunde."

Der deutsche Kabarettist Dieter Nuhr, der vor wenigen Monaten von einem Muslim wegen angeblicher Islamhetze angezeigt worden war, befürchtet nach dem Anschlag eine stärkere Selbstzensur der Unterhaltungsindustrie. "Sie können über Jesus Witze machen oder über den Papst oder sogar Helene Fischer, aber wenn man nicht suizidgefährdet ist, lässt man den Propheten aus", so Nuhr in der "Rheinischen Post".

Der Islamismus müsse aber weiterhin in den Programmen von Kabarettisten vorkommen: "Der Religionswahn ist lächerlich. Diese Gestalten, die mit wutverzerrten Gesichtern der ganzen Welt mit dem Tod drohen, die müssen lächerlich gemacht werden." (APA, 12.1.2015)

  • Manfred Deix vermisst "wilde Hunde" in Österreich.
    foto: apa/techt

    Manfred Deix vermisst "wilde Hunde" in Österreich.

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