Israelitische Kultusgemeinde kritisiert Bundesregierung

12. Jänner 2015, 10:31
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Bei der Gedenkveranstaltung am Ballhausplatz seien die jüdischen Opfer nicht erwähnt worden, heißt es in einem offenen Brief

Wien/Paris - Die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) hat am Montag in einem offenen Brief Kritik an der Bundesregierung geübt. Es erfülle sie mit Befremden und Trauer, dass bei der Gedenkkundgebung am Sonntag am Ballhausplatz vergessen wurde, das Wort "jüdische Opfer" auch nur ein einziges Mal zu erwähnen, hieß es darin.

"Alle sind Charlie, keiner ist Jude!", so die Kritik von IKG-Präsident Oskar Deutsch. In Frankreich seien eindeutige Erklärungen der Politik und Zivilgesellschaft erfolgt. "Die jüdische Gemeinde stellt sich die Frage, wieso es in Österreich bei einer so wesentlichen Veranstaltung, die wir vollinhaltlich mit unserer Teilnahme als Veranstalter unterstützt haben, nicht möglich ist, eine klare Aussage und Solidarität der Bundesregierung zu erhalten."

"Sie starben, weil sie Juden waren"

Die vier Terroropfer in dem jüdischen Supermarkt in Paris seien nicht – wie in der Erklärung der Bundesregierung erwähnt – "als Angehörige verschiedener Religionen, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren", gestorben, sondern weil sie am Freitagnachmittag für den kommenden Sabbat Einkäufe tätigten. "Sie starben, weil sie Juden waren!"

Nach den Anschlägen in Toulouse und Brüssel mit jeweils vier Toten sei dies der dritte Terroranschlag islamistischer Fanatiker gegen eine jüdische Einrichtung in Europa gewesen. "Die jüdische Gemeinde fragt sich, warum es so schwer erscheint, der jüdischen Menschen zu gedenken und diese auch beim Namen zu nennen, damit sie niemals vergessen werden. Sie waren Bürger Europas, die wegen ihrer Religion hingerichtet wurden", hieß es.

Mitterlehner weist Kritik zurück

Vizekanzler und ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner hat die Kritik zurückgewiesen. "Ich glaube, es war die richtige Vorgangsweise und die richtige Tonalität und das richtige Wording", sagte Mitterlehner.

Man habe mit den Verantwortlichen vorher und nachher diese Frage diskutiert, erklärte Mitterlehner vor Journalisten, auf die IKG-Kritik angesprochen. Es sei keine Absicht gewesen, aber wäre aus Sicht Mitterlehners auch nicht sinnvoll gewesen, nach Religion oder sonstigen Zugehörigkeiten zu differenzieren. "Wir haben im besten Wissen und Gewissen pauschal aller Opfer gedacht." (APA, 12.1.2015)

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