Das Bindeglied zwischen den Attentätern

Kopf des Tages11. Jänner 2015, 19:04
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Die 26-jährige Hayat Boumeddiene war laut Ermittlern zentral in die Planung der Attentate eingebunden

Über ihre genaue Rolle gibt es noch immer einige Verwirrung. Doch wenn das stimmt, was französische Ermittler nun über Hayat Boumeddiene behaupten, dann war die 26-Jährige zentral eingebunden in die Attentatsplanungen auf die Redaktion des Satiremagazins "Charlie Hebdo" und den Supermarkt Hyper Casher in Paris.

Laut französischen Medien könnte die Partnerin von Supermarkt-Geiselnehmer Amédy Coulibaly sogar das Bindeglied zwischen den Zellen gewesen sein, die die zwei Attentate verübten: 500-mal habe sie allein im Vorjahr mit der nun inhaftierten Ehefrau von Chérif Kouachi telefoniert, heißt es. Dieser hat mit seinem Bruder Saïd das Blutbad in der "Charlie Hebdo"-Redaktion angerichtet.

Mit den Kouachis verbindet Boumeddiene auch Biografisches: Alle drei wurden in Frankreich in algerische Familien geboren. Und wie die Kouachis wuchs auch Boumeddiene zum Teil in der Obhut des Staates auf. Ihre Mutter starb 1994, ihr Vater war mit der Erziehung der sieben Kinder überfordert.

Darüber, was in den folgenden Jahren passiert ist, war vorerst wenig bekannt: Von einer schwierigen Jugend in Villiers-sur-Marne bei Paris ist die Rede; davon, dass sie versucht habe, ihren Nachnamen zu ändern, damit dieser "französischer" klinge. Als sie Ende der 2000er-Jahre als Kassiererin in einem Supermarkt den sechs Jahre älteren Amédy Coulibaly trifft, ist dieser schon im Kontakt mit der Islamistenszene. Er soll im Gefängnis radikalisiert worden sein.

Wenig später verliert Boumeddiene ihren Job, weil sie jetzt nur noch mit Gesichtsschleier in die Arbeit geht. Coulibaly habe sie inspiriert, "viele Bücher über Religion zu lesen", sagt sie der Polizei, als die beiden 2010 von Terrorfahndern verhört werden. Ihnen wird vorgeworfen, in einen Plan zur Befreiung des Metro-Attentäters von 1995, Aït Ali Belkacem, involviert gewesen zu sein. Im Verhör äußert sie Verständnis für Terrorangriffe. Im Internet aufgetauchte Bilder aus dieser Zeit zeigen sie im Ganzkörperschleier und mit einer Armbrust bewaffnet in einem Wald. Nur Coulibaly wird aber zu Haft verurteilt, 2013 wird er entlassen. Gemeinsam führen die beiden danach ein "normales Leben", sagen Nachbarn – bis sie im Dezember untertauchen.

Zum Zeitpunkt der Attentate war Boumeddiene nicht mehr in Frankreich, heißt es. Sie soll Anfang Jänner über die Türkei nach Syrien gereist sein. Ein Rückflugticket für Freitag löste sie nicht ein. (Manuel Escher, DER STANDARD, 12.1.2015)

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    foto: reuters

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