Abdullah-Zentrum: Gnade oder Geschichte

Kommentar11. Jänner 2015, 18:47
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Die Regierung muss jetzt beherzt vorgehen

Vor lauter Dialog mit den Saudis und Neutralität gegenüber dieser Monarchie haben sich der Bundespräsident und die Regierung in eine argumentative Sackgasse manövriert: Angesichts der Anschläge in Frankreich können die Würdenträger der Republik nicht die Meinungsfreiheit hochhalten und gleichzeitig widerstandslos die freitäglichen Peitschenhiebe für einen saudischen Journalisten hinnehmen, der sich für die freie Meinungsäußerung in seinem Land einsetzt. Mit dem umstrittenen Abdullah-Zentrum mitten in Wien kann, soll, muss Österreich eigentlich seit drei Tagen von Riad einfordern: Entweder Gnade für Raif Badawi - oder dieses angebliche interreligiöse Dialogzentrum ist Geschichte.

Doch dieses beherzte Vorgehen bringen die Verantwortlichen bei SPÖ und ÖVP (noch) nicht auf, stattdessen wird auf vertragliche wie finanzielle Absprachen mit dem Königshaus verwiesen - als ob man gegenüber einem Regime, das die der Scharia in der Verfassung hat, seine Bürger köpft, auspeitscht und bei Demonstrationen niederprügelt, ja nicht wortbrüchig werden dürfte. Mit dieser Haltung bricht man aber mittelalterliche Machtstrukturen nie auf, sondern macht sich auf lange Sicht sogar lächerlich.

Kritik an der internationalen Doppelstrategie der Saudis - Terror verurteilen, aber Gotteslästerer exekutieren - hält der Präsident der heimischen Muslime im Profil entgegen: "Einer der besten Freunde Saudi-Arabiens ist Österreich." (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, 12.1.2015)

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