China und Lateinamerika rücken zusammen

10. Jänner 2015, 18:12
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Mit enger Kooperation auf wirtschaftlicher und politischer Ebene wollen die Mächte der Dominanz der USA etwas entgegen setzen

Peking/Havanna - Im Schatten der Anschläge von Paris ging in der europäischen Wahrnehmung ein geradezu historisches Treffen in Peking beinahe unter. Am Donnerstag und Freitag fand in Peking der erste offizielle Strategie-Gipfel zwischen der asiatischen Großmacht und der aus 33 Ländern bestehenden Gemeinschaft lateinamerikanischer und karibischer Staaten (CELAC) statt. Eine intensive Kooperation wurde vereinbart.

In einem Fünfjahresplan sollen nun die "drei Motoren" Investition, Handel und Kooperation angeworfen werden, wie es abschließend in der "Erklärung von Peking" hieß. China plant laut Medienberichtenvom Smastag, in den kommenden zehn Jahren in Lateinamerika und der Karibik Investitionen in Höhe von 250 Milliarden US-Dollar zu tätigen.

Neben den geplanten Investitionen vergab China Darlehen in Höhe von zehn Milliarden US-Dollar zu Vorzugsbedingungen, berichtete etwa das Lateinamerika-Portal "amerika21.de". Zugleich wurde ein Kooperationsfonds mit fünf Milliarden US-Dollar eingerichtet. Wie Chinas Präsident Xi Jinping bei seiner Einführungsrede in der Halle des Volkes erläuterte, soll die Kooperation auf der Basis von Gegenseitigkeit, gemeinsamer Entwicklung und "zum kollektiven Wohl" entwickelt werden.

Die sozialistische Parteizeitung Kubas "Granma" jubelte: "Das Forum China-CLEAC hat solide Fundamente für die bilateralen Beziehungen geschaffen". Ähnlich äußerten sich offizielle Medien der chinesischen Seite. Demnach ist auch ein stärkerer wissenschaftlicher und kultureller Austausch vorgesehen. China will künftig 5.000 Stipendien für Studenten in den CELAC-Mitgliedsländern zur Verfügung stellen.

Multipolare Weltordnung

In der internationalen Politik sehen die Länder gemeinsame Interessen bei der "Demokratisierung der internationalen Beziehungen, der Klimapolitik und der Reform des internationalen Finanzsystems". Ebenso wie China hat Lateinamerika Interesse daran, "die Dominanz der USA auf der globalen Ebene zu beseitigen und eine multipolare Weltordnung zu fördern".

Bisher sind die hauptsächlichen Handelspartner Lateinamerikas die USA und die Europäische Union. Die Staaten Lateinamerikas streben eine größere Unabhängigkeit an, während China an Rohstoffen und Agrarprodukten interessiert ist.

Der Präsident von Costa Rica, Luis Guillermo Solis, sagte, dass das Treffen ein solides Fundament für die Zusammenarbeit geschaffen habe. Man respektiere sich und erkenne Unterschiede an. "Es handelt sich um eine Kooperation, die nicht auf unerfüllbaren Bedingungen basiert, sondern auf dem Wunsch, sich gegenseitig zu helfen", so Solis. Dies habe es zuvor nicht gegeben. Im Gegensatz zu der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds sind die Kredite und Handelsabkommen Chinas nicht mit Auflagen wie Privatisierung öffentlicher Unternehmen, Abbau von Sozialleistungen und Liberalisierung des Arbeitsmarktes verbunden.

Ecuadors Präsident Rafael Correa sieht darin die Möglichkeit, eine eigenständige Entwicklung umzusetzen. Wie die staatliche ecuadorianische Nachrichtenagentur Andes berichtet, bezeichnete Correa die vereinbarten Kooperationen als historisch. Im Rahmen der CELAC-Präsidentschaft Ecuadors ab Ende Jänner will er die Beziehungen zwischen China und dem Bündnis vertiefen.

An dem Forum nahmen aus Lateinamerika und der Karibik vier Präsidenten und 40 Minister teil, davon zwanzig Außenminister aus 30 Mitgliedsländern der CELAC. Das nächste Treffen des Forums ist für 2018 in Chile geplant. (APA, 10.1.2014)

  • In Peking fand der erste offizielle Strategie-Gipfel zwischen der asiatischen Großmacht und der aus 33 Ländern bestehenden Gemeinschaft lateinamerikanischer und karibischer Staaten (CELAC) statt.
    foto: reuters/pool

    In Peking fand der erste offizielle Strategie-Gipfel zwischen der asiatischen Großmacht und der aus 33 Ländern bestehenden Gemeinschaft lateinamerikanischer und karibischer Staaten (CELAC) statt.

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