Türkei: Offenbar weiterer Anschlag vereitelt

10. Jänner 2015, 16:09
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Türkische Extremisten widerrufen Bekenntnis zu Anschlag - Bombenfund vier Tage nach Selbstmordattentat

Istanbul - Vier Tage nach dem Selbstmordattentat in Istanbul ist in der türkischen Metropole offenbar ein weiterer Anschlag vereitelt worden. Vor einem Einkaufszentrum im Westen der Stadt wurde eine Bombe entdeckt, wie die Polizei mitteilte. Spezialisten entschärften den Sprengsatz. Unterdessen wurden weitere Einzelheiten zu dem Attentat am Dienstag bekannt. Die Täterin soll die Witwe eines Jihadisten sein.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu entdeckte ein Passant am Samstag vor einem Einkaufszentrum im Viertel Basaksehir ein verdächtiges Paket in einem Mülleimer und alarmierte die Polizei. Spezialisten machten den selbstgebauten Sprengsatz unschädlich. Wer die Bombe dort deponiert hatte, blieb zunächst unklar. Im Istanbuler Vorort Sefakoy wurde ebenfalls ein verdächtiges Paket gefunden. Darin befanden sich mehrere Gaskanister. Die Polizei nahm eine kontrollierte Sprengung vor.

Extremisten ziehen Bekenntnis zurück

Eine linksradikale Untergrundgruppe, die sich zu einem Selbstmordanschlag in Istanbul bekannt hatte, hat ihr Bekenntnis wieder zurückgezogen. Die verbotene Revolutionäre Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C) erklärte am Samstag, der Anschlag am Dienstag im Touristenviertel Sultanahmet sei nicht von ihr verübt worden.

Die Gruppe ziehe ihr Bekenntnis zurück und entschuldige sich bei ihren Mitgliedern und Anhängern. Die DHKP-C machte "technische Probleme" für den Fehler verantwortlich.

Demnach kam es zu dem Missverständnis, weil die Mitglieder der Gruppe ihre Kommunikation untereinander aus Sicherheitsgründen auf ein Minimum beschränken müssten. Laut der DHKP-C bereitete die Gruppe in dem Viertel, wo die Frau sich in die Luft gesprengt hatte, ebenfalls einen Angriff vor.

Bei dem Anschlag am Dienstag hatte eine Frau einen Polizisten mit in den Tod gerissen. In ihrem Bekennerschreiben von Mittwoch hatte die DHKP-C die Tat unter anderem als Vergeltung dafür bezeichnet, dass vier frühere Minister der islamisch-konservativen Regierung von Recep Tayyip Erdogan in einem Korruptionsverfahren freigesprochen wurden.

Es tauchten aber Zweifel an der Darstellung der DHKP-C auf, als die Mutter der als Attentäterin genannten Frau die Tote nicht als ihre Tochter identifizierte. Laut der Nachrichtenagentur DHA handelte es sich in Wahrheit um eine Frau aus der russischen Kaukasusregion Dagestan. Nach Behördenangaben reiste die Täterin vor sieben Monaten als Touristin in die Türkei ein. Die Ermittlungen sollen klären, ob sie Verbindungen zum dem Terrornetzwerk Al-Kaida hatte. (APA, 10.1.2015)

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