China gratuliert Kim Jong-un zum Geburtstag

9. Jänner 2015, 18:07
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Für internationale Beobachter sind die Glückwünsche ein Signal, dass sich die beiden Staaten wieder annähern wollen

Peking hat in einem ungewöhnlichen Akt diplomatischer Anbiederung, mit dem erklärten Wunsch, das angespannte politische Verhältnis zu verbessern, Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un zu seinem Geburtstag am 8. Jänner gratuliert. Das Außenministerium bestätigte den Geburtstagsgruß an den Führer des "Nachbarlandes, mit dem China traditionell einen freundschaftlichen Austausch unterhält". Peking hoffe, dass Kim sein Volk "weiter zu neuen Errungenschaften führt".

Die einschmeichelnde Geste wertete Südkoreas Nachrichtenagentur Yonhap als bislang "klarstes Signal", dass Peking seine Beziehungen zu Pöngjang wieder erwärmen will. Auch altgediente chinesische Nordkorea-Experten wie Zhang Lianggui von der Parteihochschule zeigten sich verwundert. Er nannte die Geste "unnötig" und einer "Großmacht unwürdig". Sie setze zugleich ein Zeichen, dass China sich von den 110 Staaten in den Vereinten Nationen abgrenzt, die Kim wegen massiver Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilten und den Plan verfolgen, ihn vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag anklagen zu lassen.

Ende der Trauerzeit

Peking dagegen gratulierte Kim nun. Es waren die ersten Geburtstagsgrüße, die Chinas Führung an Kim schickte, seit er Ende 2011 nach dem Tod seines Vaters Kim Jong-il an die Macht kam. Am vergangenen 17. Dezember endete Nordkoreas traditionelle dreijährige Trauerzeit. Pekings Geburtstagsouvertüre erklingt zudem nur wenige Tage, nachdem die USA ihre Sanktionen gegen Nordkorea im Streit um dessen angebliche Cyberattacken auf den Sony-Konzern verschärft hatten. Sie kommt umso überraschender, als Pjöngjang noch keinen Lebenslauf des Jungdiktators veröffentlicht hat, seinen Geburtstag offiziell nicht feiern lässt und noch nie sein Geburtsjahr nannte, das vermutlich auf 1982 oder 1983 fällt.

Außenamtssprecher Hong Lei erklärte den Happy-Birthday-Wunsch: China wolle in den Beziehungen zu Nordkorea im neuen Jahr "die Tradition fortsetzen, in die Zukunft blicken, freundschaftliche Nachbarschaft pflegen und die Kooperation verstärken."

Die Volksrepublik ist die einzige politisch verbündete Großmacht des weltweit isolierten Regimes. China ist auch sein wichtigster Handelspartner, Öl- und Energielieferant. 2013 entfielen nach südkoreanischen Kotra-Statistiken 89,1 Prozent des Gesamthandels Nordkoreas im Umfang von 7,34 Milliarden US-Dollar (rund 6,21 Milliarden Euro) allein auf seinen Austausch mit China. Dessen Handel mit Pjöngjang legte allen Sanktionen zum Trotz in dem Jahr um mehr als zehn Prozent zu.

Dennoch trägt bislang die Pekinger Führung die UN-Sanktionen gegen das Pjöngjanger Regime nach dessen Raketen- und inzwischen drei unterirdischen Atomwaffentests mit. Vergangenes Jahr warnte Parteichef Xi Jinping den Norden, keinen weiteren Unfrieden zu stiften und drohte erstmals, "dass China nicht untätig zuschauen wird, wenn eine Macht in seiner Nachbarschaft Chaos stiftet".

Demonstrative Reise

Demonstrativ fuhr Xi zum Antrittsbesuch zuerst nach Südkorea. Peking hat auch Kim noch nicht zum Staatsbesuch in China eingeladen. Dagegen hat ihn Wladimir Putin 2015 zum Besuch in Russland eingeladen.

Die Wende in der chinesischen Nordkorea-Politik hatte sich im November angekündigt. Chinas Führung schickte im vergangenen November mit Liu Yunshan einen ihrer ranghöchsten Parteifunktionäre aus Anlass des dritten Todestages und des Endes der Trauerzeit um Diktatorvater Kim zur Gedenkfeier in die nordkoreanische Botschaft in Peking. Er überbrachte die Botschaft von Parteichef Xi, dass beide Seiten ihre Beziehungen "mit langem Blick und unter Rücksicht auf die Gesamtlage" vorantreiben sollten.

Wie nachsichtig China mit Nordkorea inzwischen wieder umgeht, trotz des Drängens auf Wiederaufnahme der Sechs-Parteien-Gespräche zur Atomwaffenabrüstung, zeigte sich zuletzt an einem dramatischen Grenzzwischenfall. Ein nordkoreanischer Deserteur ermordete am Tumen-Fluss in Nordostchina bei einem Raubzug am 27. Dezember vier chinesische Grenzdorfbewohner. Der Täter wurde gestellt und starb an Schussverletzungen. Peking informierte die Öffentlichkeit darüber aber erst nach mehr als einer Woche und auch nur, weil Südkoreas Medien den Vorfall enthüllten. Selbst parteitreue Medien wie die "Global Times" schimpften über diese Geheimhaltung, erfolgt aus politischer Rücksichtnahme, um das Verhältnis nicht zu belasten. (Johnny Erling aus Peking, DER STANDARD, 10.1.2015)

  • Seit vier Jahren wartet Diktator Kim Jong-un auf seine Geburtstagswünsche aus Peking. Nun hat er sie erhalten – und dürfte sich darüber nicht wenig freuen.
    foto: epa/kcna

    Seit vier Jahren wartet Diktator Kim Jong-un auf seine Geburtstagswünsche aus Peking. Nun hat er sie erhalten – und dürfte sich darüber nicht wenig freuen.

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