Polit-Tauziehen um "unseren" Tiroler Speck

9. Jänner 2015, 16:56
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Kritiker sehen Schutz geografischer Herkunftsbezeichnungen gefährdet durch Freihandelsabkommen mit den USA

Wien - Es war eine turbulente Woche für den Tiroler Speck. Zu Wochenbeginn ließ der deutsche Agrarminister Christian Schmidt mit der Aussage aufhorchen, die Hersteller regionaler Spezialitäten in der EU könnten ihre Privilegien wegen des geplanten Freihandelsabkommens mit den USA verlieren.

Man könne den Amerikanern nicht vermitteln, dass in den USA produzierter Tiroler Speck oder Holländischer Gouda nicht "zu uns" exportiert werden kann, sagte der Minister. Die Aufregung in Österreich war groß. Krone, Kurier und Heute thematisierten den Verlust "unseres" Tiroler Specks. Allerdings wird die Debatte unter falschen Vorzeichen geführt.

In der EU stehen 1300 geografische Herkunftsbezeichnungen für Lebensmittel unter Schutz. So dürfen nur ausgewählte griechische Firmen in Europa Feta verkaufen. In Nordamerika existiert kein solcher Schutz. Das will die EU ändern. Im Freihandelsabkommen mit Kanada (Ceta) ist das bereits gelungen. Kanada hat erstmals zugesagt, 170 Bezeichnungen aus Europa, darunter Tiroler Speck, künftig auch in Kanada zu schützen. Praktische Relevanz hat das freilich nur bei ganz wenigen Lebensmitteln, wie Parmesan.

Nach Europa exportiert werden dürfen Nachahmerprodukte aus Kanada keinesfalls. Der Schutz für den Speck wird also ausgedehnt, nicht eingeschränkt. Es bleibt abzuwarten, was bei den Gesprächen mit Washington herauskommt. Erklärtes Ziel der EU ist aber auch hier, den Tiroler Speck in den USA unter Schutz zu stellen. Worüber bei Exporten gestritten wird, ist auch nicht, ob "Black Forest Ham" aus den USA nach Europa eingeführt werden darf. Strittig ist vielmehr, ob die Amerikaner solche Copy-Produkte weiter in Drittländern (Südamerika) verkaufen dürfen. (szi)

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