Winterstürme im Libanon: Tote und Schäden in Flüchtlingslagern

9. Jänner 2015, 16:51
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Video von World Vision zeigt eingestürzte Zelte in provisorischer Siedlung in der Bekaa-Ebene

Beirut/Damaskus - Der schwere Wintersturm "Zina", der in dieser Woche die Region östlich des Mittelmeers heimsucht, macht insbesondere den Kriegsflüchtlingen im Gazastreifen und den syrischen Flüchtlingen im Libanon schwer zu schaffen. In ihren schlecht beheizten Zelten und Notunterkünften litten sie besonders unter den Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, berichteten die UNO und Hilfsorganisationen.

Im Libanon leiden unter "Zina" vor allem 80.000 Flüchtlingsfamilien aus dem angrenzenden Bürgerkriegsland Syrien. Ein Mann und ein sechsjähriger Bursche, die aus Syrien über das Grenzgebirge in den Südlibanon flüchteten, wurden dort am Mittwoch erfroren aufgefunden, berichtete das Internationale Rote Kreuz.

Zelte halten Schneelast nicht stand

"Der Sturm hat schwere Schäden verursacht. Teile der libanesischen Bergregionen sind von der Umwelt abgeschnitten. Syrische Zeltsiedlungen wurden völlig zerstört und zahlreiche Straßenverbindungen im Land wurden gesperrt", sagte Jürgen Högl, der die Hilfsaktivitäten des Österreichischen Roten Kreuzes (ÖRK) in Beirut koordiniert.

"Ich weiß nicht, ob sie diesen harten Winter ohne weitere Unterstützung überleben werden", sagt Ralph Baydoun von World Vision über die Flüchtlinge. Ein Video der Entwicklungshilfeorganisation zeigt die Überreste eines Zeltes, das unter der Last des Schnees zusammengebrochen ist.

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"Die Familie, die hier lebte, musste mitten in der stürmischen Nacht bei Verwandten unterkommen und ihre Besitze zurücklassen. Niemand konnte das Zelt mehr betreten", erzählt ein Bub aus der provisorischen Flüchtlingssiedlung in der Bekaa-Ebene.

Die Situation im Libanon ist besonders dramatisch, weil zum strengen Winter auch die Einführung der allgemeinen Visa-Pflicht für Syrer hinzukommt. "An der libanesischen Grenze warten viele Menschen, die Großteils zurückgewiesen werden", sagte der ÖRK-Vertreter. So gebe es den Fall eines Kleinkindes, das nach vier Tagen in eisiger Kälte wartend an der Grenze verstorben sei. (APA/red, derStandard.at, 9.1.2015)

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