Auktionsbranche: Rekorde machen noch keinen Profit

9. Jänner 2015, 17:13
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2014 wurden weltweit Kunstobjekte im Wert von 16 Milliarden Dollar versteigert. Der Kampf an der Akquisitionsfront verschärfte sich, die Margen schrumpften

Ein Rekordjahr, sowohl für die globale Auktionsbranche, die laut Bloomberg
16 Milliarden Dollar an Umsatz einspielte, als auch für die beiden Giganten, die demnächst ihre Bilanzen verlautbaren: das Privatunternehmen Christie’s noch im Jänner, der börsenotierte Konkurrent Sotheby’s Ende Februar. 2013 hatten sich deren Umsätze aus Auktionen und Privatverkäufen auf 7,1 Milliarden (Christie’s) bzw. 6,3 Milliarden Dollar (Sotheby’s) belaufen. Für beide die beste Ernte in der jeweiligen Unternehmensgeschichte, die jedoch nichts über den tatsächlichen Profit aussagt. Nur der ist tatsächlich der einzig relevante Wert, sowohl für einen privaten Eigner als auch für Aktionäre.

Seit 1998 gehört Christie’s zum französischen Luxusimperium Groupe Artémis, 1,2 Milliarden Dollar ließ François Pinault damals springen. Der Gegenwert des Unternehmens ist nicht bekannt. Gerüchte, wonach Pinaults Sohn François-Henri, seit 2005 an der Konzernspitze, das Auktionshaus an den Meistbietenden verscherbeln könnte, wollen nicht verstummen. An die Scheichs von Katar oder womöglich an asiatische Investoren? Wer weiß. Fakt ist, so wenig Einblick Christie’s seit Jahren in seine Bilanz gewährte, so deutlich war die Anfang Dezember gezogene Notbremse: Offiziell trat CEO Steven Murphy zurück, inoffiziell wurde er gefeuert. Laut Wall Street Journal sei Christie’s Profit 2013 von 153 auf 123 Millionen Dollar geschrumpft.

Kein Wunder, bedenkt man, wie großzügig das Auktionshaus zuletzt Garantien verteilte und bei prestigeträchtigen Kollektionen wenn nicht ganz, so auf Teile der Verkäuferprovision verzichtete. An der Akquisitionsfront zog So theby’s immer öfter als Verlierer vom Feld. Eine Entwicklung, die ausgerechnet Großaktionär Daniel Loeb forcierte.

Seit 2013 ist er über seinen Fonds Third Point größter Anteilseigner und kritisierte das Management William (Bill) Ruprechts mehrfach wie deutlich. Angesichts Christie’s Marktdominanz forderte Loeb die Abberufung des Sotheby’s-CEOs. Im November wurde ihm dieser Wunsch erfüllt, bis ein neuer CEO gefunden ist, bleibt "Bill" noch im Amt.

Wiewohl Sotheby’s Anteile abtreten musste, verbuchte man in den vergangenen zwölf Monaten auch Erfolge: Mit rund 422 Millionen Dollar für nur 58 Kunstwerke notierte man im Zuge der "Impressionist & Modern Art"-Sitzung in New York jüngst das höchste Einzeltotal in der Unternehmensgeschichte. Giacomettis Chariot reichte man damals für 100,96 Millionen Dollar weiter, womit diese Skulptur auf Platz sieben der höchsten Zuschläge in der Geschichte des Kunstmarktes rangiert. Dazu stieg der seit Jänner weltweit über Auktionen eingespielte Umsatz auf knapp sechs Milliarden Dollar (2013: 5,09 Mrd.). Im Ranking der Top-zehn-Zuschläge 2014 musste man das Feld allerdings weitestgehend Christie’s überlassen.

Hierzulande ging die Saison in der Auktionsbranche deutlich beschaulicher vonstatten. Rekorde auch hier, wiewohl sich das Doro theum punkto Jahresumsatz bedeckt hält. Allein die vier Auktionswochen spielten mit 62,19 Millionen Euro (exkl. Nachverkauf) jedenfalls einen neuen Höchstwert ein (2013: 58,71 Mio.). „Im Kinsky“ verlautbarte einen Gesamtumsatz von 25,2 Millionen Euro (inkl. Nachverkauf; 2013: 23,5 Mio.). (Olga Kronsteiner, Album, DER STANDARD, 10./11.1.2015)

  • Sotheby’s-Schaustellung im Vorfeld der New Yorker Auktionen mit Kalibern der Moderne (u. a. Amedeo Modigliani) und der Generation Post-War (Mark Rothko): Giacomettis "Chariot" (Vordergrund) rangiert auf Platz sieben der höchsten Auktionszuschläge.
    foto: sotheby‘s

    Sotheby’s-Schaustellung im Vorfeld der New Yorker Auktionen mit Kalibern der Moderne (u. a. Amedeo Modigliani) und der Generation Post-War (Mark Rothko): Giacomettis "Chariot" (Vordergrund) rangiert auf Platz sieben der höchsten Auktionszuschläge.

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