Liebesgrüße aus Laa an der Thaya

Kolumne9. Jänner 2015, 17:00
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Vorschau auf den nächsten Bond-Film

Da ist doch das ganze Land aus dem Häuschen: Seit fast einer Woche hält sich Bond, die britische Doppelnull, auf dem Großglockner auf, um dem Bösen, Öden und Blöden in Österreich einen Riegel vorzuschieben (schade, dass er Mittwoch nicht in der Charlie Hebdo-Redaktion war - auch dort hätte er sich sehr nützlich machen können).

Was der Krisenkolumnist exklusiv weiß: Bei den Bond-Produzenten ist Osttirol als Drehort so gut angekommen, dass sie sofort einen Austro-Fortsetzungsfilm nachschieben wollen (Arbeitstitel: "Liebesgrüße aus Laa an der Thaya"). Mit dabei: die Creme der österreichischen Politiker, die zur Fremdenverkehrsförderung gern einmal als Staatsschauspieler einspringen.

Hier der Plot: Der österreichische Bundeskanzler (Codename: "Die Pfeife" ) wird von den Nordkoreanern umgedreht und strebt nicht mehr nur die Herrschaft über den Ballhausplatz an, sondern gleich die über die ganze Welt (Werner Faymann als charismatischer Bond-Bösewicht). Um den Westen zu destabilisieren, setzt die Pfeife die schmutzigsten Waffen des Landes ein: burgenländische Jahrgangsweine aus den 1970ern, den KHG- Todesföhn und Andreas Gabalier. Als ein Geheimbund aus Nationalbank, Finanzmarktaufsicht und Hypo-Management das internationale Bankwesen zu sprengen droht, ruft der Westen Bond (Michael Häupl spielt in seiner Paraderolle Daniel Craig glatt an die Wand) zu Hilfe.

Bonds Chefin M (Maria Fekter, überzeugend als Geheimdienst-Kratzbürste) gibt ihr Okay. Nach einem Abschiedskuss für Miss Moneypenny (Maria Vassilakou als charmante Nebenfigur) schleicht sich Bond über den Grenzübergang Lutzmannsburg nach Österreich ein. Leider gibt er sich in Wien als Ortsfremder zu erkennen, als er im Café Prückl eine Melange "geschüttelt, nicht gerührt" bestellt. Die Pfeife lässt Bond von seinem Büttel "Beißer" (eine Rolle, die H. C. Strache wie auf den Leib geschrieben ist) fangen und mit einer Zahnspange foltern.

In letzter Sekunde gelingt es Bond, Beißer ein blaues Auge zu hauen und nach Grinzing zu entwischen, wo im Heurigen Fuhrgassl-Huber der Showdown stattfindet. Bei einem Veltliner-Wetttrinken auf Leben und Tod säuft Bond seinen Gegner letal unter den Tisch, die Pfeife pfeift aus dem letzten Loch. 007 sei Dank: Die freie Welt kann wieder einmal aufatmen. (Christoph Winder, Album, DER STANDARD, 10./11.1.2015)

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