Anleihenkäufe: EZB arbeitet an Kompromiss

9. Jänner 2015, 14:41
8 Postings

Bei einer der diskutierten Variante würden auch die nationalen Notenbanken Staatsanleihen kaufen, was die Risiken im Heimatland ließe

Frankfurt - Die Europäische Zentralbank (EZB) prüft Insidern zufolge mehrere Strategien für ein groß angelegtes Programm zum Kauf von Staatsanleihen. Dabei werde auch eine Variante diskutiert, bei der nur ein Teil der damit verknüpften Risiken vergemeinschaftet würde, sagten mehrere Personen aus dem Umfeld der EZB der Nachrichtenagentur Reuters.

Weitere Aufkäufe könnten dann den nationalen Notenbanken überlassen werden. So würden auch Bedenken der Deutschen Bundesbank gegen ein solches Programm berücksichtigt. "Das könnte eine Variante sein, bei der die Bundesbank mit kann und sie nicht überfordert wird", sagte ein Insider. Darüber hinaus würden noch weitere Vorschläge geprüft. Es sei nichts entschieden. Den Informationen zufolge wurde über das Thema am Mittwoch im EZB-Rat gesprochen.

Preise im Dezember gesunken

Die EZB lehnte eine Stellungnahme dazu ab. "Wir kommentieren keine Diskussionen des EZB-Rats", sagte ein Sprecher. EZB-Chef Mario Draghi hatte zuletzt bereits die Türen für breit angelegte Staatsanleihenkäufe weit geöffnet. Die Zentralbank könnte nun auf ihrer Zinssitzung am 22. Jänner ein solches Programm beschließen, um einen Preisverfall auf breiter Front in der Eurozone zu verhindern. Zuletzt waren die Preise um 0,2 Prozent gesunken.

Den Insidern zufolge herrschte auf dem Treffen unter den Zentralbankern inzwischen mehr Einigkeit, dass ein solches im Fachjargon Quantitative Easing (QE) genanntes Wertpapier-Aufkaufprogramm notwendig sei. Über die konkrete Ausgestaltung wie etwa das Volumen, eine Vergemeinschaftung und Verteilung von Risiken gebe es aber noch recht unterschiedliche Auffassungen. "Es ist alles noch im Fluss", sagte ein Insider.

EZB: Dürfen keine Schulden erlassen

In der wieder aufgeflammten Debatte über einen Schuldenerlass für Griechenland hat die EZB indessen eine Beteiligung an einer solchen Hilfsaktion kategorisch ausgeschlossen. Die Notenbank dürfe dies nicht, sagte Direktoriumsmitglied Benoit Coeure dem Sender France 24. Die von der Europäischen Zentralbank (EZB) in der Euro-Krise erworbenen Staatsanleihen des Ägäis-Landes seien tabu, weil ein Schuldenerlass eine verbotene Staatsfinanzierung bedeuten würde. Dies sei gegen das Gesetz. "Die Europäischen Verträge besagen das ganz deutlich", so Coeure. (APA, 9.1.2014)

Share if you care.