"Man muss als Makler auch Nein sagen"

Interview10. Jänner 2015, 10:00
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Bernhard Reikersdorfer, Österreich-Chef von Remax, sieht es als "komplett falschen Zugang", wenn Makler absurde Preisvorstellungen von Abgebern übernehmen

Bernhard Reikersdorfer, Österreich-Chef von Remax, sieht es als "komplett falschen Zugang", wenn Makler absurde Preisvorstellungen von Abgebern übernehmen, und will mehr Privatverkäufer hin zum Makler bringen.

STANDARD: Seit geraumer Zeit rühren Makler nun schon die Werbetrommel, um potenzielle Abgeber endlich zum Verkaufen zu bewegen - weil man zuletzt, etwa 2013, schon zu wenige Objekte hatte. Nun ist das Angebot gestiegen, die Nachfrage nicht. Ist aus Ihrer Sicht schon zu viel auf dem Markt?

Reikersdorfer: Nein, das denke ich nicht. Auch 2013 hätten 90.000 Objekte verkauft werden können, hätte es das Angebot gegeben. Diese Größenordnung erwarte ich auch heuer, und dafür wird die Nachfrage ausreichen. Wir haben schon im Vorjahr gesagt, dass sich preismäßig nicht mehr allzu viel tun wird. Das hat sich bestätigt.

STANDARD: Heuer erwarten Sie wieder rund 93.000 Transaktionen, gleichzeitig sind aktuell knapp über 50.000 Häuser und Wohnungen im Angebot. Es dauert also etwa ein halbes Jahr, bis ein Haus oder eine Wohnung verkauft wird ...

Reikersdorfer: Ja, im Schnitt - da ist aber alles drinnen, auch das schwer vermittelbare Einfamilienhaus im Waldviertel, das vielleicht zwei, drei Jahre am Markt ist oder gar nicht verkauft wird. Wir verkaufen bei Remax eine Eigentumswohnung im Schnitt nach rund 90 Tagen, bei den Einfamilienhäusern dauert es etwas länger. Die richtige Einwertung, also Preisfestsetzung, für ein Objekt ist von immenser Bedeutung. Wenn die Vorstellung zwischen dem Abgeber und dem Makler um fünf bis acht Prozent differiert, ist das aus meiner Sicht noch im Rahmen.

STANDARD: Aber oft werden von Maklern die überzogenen Vorstellungen des Abgebers einfach akzeptiert.

Reikersdorfer: Ja, und das ist leider der komplett falsche Zugang. Man muss als Makler auch Nein sagen können, wenn der Markt den Preis, den sich der Abgeber vorstellt, nicht hergibt. Das ist ganz wichtig. Und es wäre gut, wenn sich auch die Verkäufer vorab entsprechend darüber informieren, welcher Makler was anbietet. Der Preis ist nur ein Baustein in der Vermittlung.

STANDARD: Letztes Jahr gab es bei Remax ein Umsatzplus von 17 Prozent, das dürfte es heuer nicht mehr geben?

Reikersdorfer: Das würde ich so nicht sagen. Unser größter Mitbewerber ist der Privatmarkt, also die vielen Transaktionen, die ohne Makler stattfinden. Da gibt es noch viel Potenzial. Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir die Privatverkäufer von der Maklerdienstleistung überzeugen.

STANDARD: Mit der Immobilien-Card sollen sich die "guten" von den "schlechten" Maklern unterscheiden lassen. In Ihrem Netzwerk haben aber immer noch bei weitem nicht alle Büros die "Card". Warum?

Reikersdorfer: Das ist bei uns jedem freigestellt. Viele Büros haben sie, andere nicht. Für mich ist das System immer noch zu wenig streng. Es ist zwar ein guter Schritt, aber noch nicht das, was wir am Markt brauchen, um tatsächlich sehr gute von weniger guten Maklern zu unterscheiden. (Martin Putschögl, DER STANDARD, 10.1.2015)

Bernhard Reikersdorfer (42) ist seit 2006 Geschäftsführer von Remax Austria.

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    foto: remax

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