Starke Preissteigerungen vorerst vorbei 

10. Jänner 2015, 10:00
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Käufer und Mieter dürfen sich im neuen Jahr über sinkende Preise freuen, weil das Angebot steigt

Die Zeiten der absurd hohen Preissteigerungen bei Wohnimmobilien seien weitgehend vorbei, der heimische Markt habe sich "zugunsten von Käufern und Mietern gedreht", hieß es in dieser Woche auf der schon traditionellen Jahresauftakt-Pressekonferenz von Remax Austria. Über alle Kategorien betrachtet dürfte das Preisniveau 2015 bundesweit um mehr als zwei Prozent nach unten gehen, sagte Bernhard Reikersdorfer, Österreich-Chef des Makler-Franchise-Netzwerks, unter Verweis auf aktuelle Daten aus einer Befragung von 500 heimischen Remax-Maklern.

Das Angebot sollte demnach bundesweit um 2,4 Prozent steigen, die Nachfrage um 0,1 Prozent nachlassen und das Preisniveau deshalb um 2,3 Prozent nachgeben. Insbesondere hochpreisige Immobilien hätten heuer "mit einer Preiskorrektur von rund vier Prozent nach unten zu rechnen", meinte auch Co-Geschäftsführer Anton Nenning.

Luxus wird "billiger"

Laut Stefan Pasquali, Geschäftsführer der Volksbanken-Maklertochter Immo-Contract, ist das Wiener Luxussegment schon 2014 regelrecht "eingebrochen". Mit Verweis auf Daten von ImmoUnited spricht er von einem Minus von 33 Prozent gegenüber 2013 beim Transaktionsvolumen. "Das Spitzensegment ist überbewertet, es wird nicht mehr alles zu jedem Preis gekauft", und diese Maxime gelte auch für 2015. Außerdem seien die Banken in der Kreditvergabe deutlich restriktiver; "zahlreiche Projekte sind noch mit Vorkrisenpreisen auf dem Markt".

Der Wiener Gesamtmarkt sei schon im Vorjahr um mehr als zehn Prozent zurückgegangen, so Pasquali, der auf einen stetigen Rückgang der Transaktionen seit 2010 von damals 14.792 auf 13.715 im Jahr 2013 hinweist. Für 2014 - genaue Zahlen gibt es noch nicht - erwartet der Immo-Contract-Geschäftsführer nur noch rund 12.000 Transaktionen. Dies bringe nun aber auch eine "gewisse Marktbereinigung" mit sich. "Wir merken nun, welche Projekte funktionieren und welche nicht." Pasquali nennt für 2014 ein Durchschnittsvolumen von 370.000 Euro und setzt diese "Grenze des Massenmarkts" für heuer sogar eher noch niedriger an, bei rund 350.000 Euro. "Der Massenmarkt ist nämlich gesund, die Preise sind auch bei den Abgebern angekommen."

Unteres Segment stark gefragt

Auch bei Remax hat man gerade auch im oberen Preissegment eine frappant schwächelnde Nachfrage konstatiert. Der "Remax Real Estate Future Index" (Rrefix), der auf der Befragung von 500 Maklern basiert, weist ein Minus von 4,9 Prozent bei gleichzeitiger Angebotsausweitung um 0,8 Prozent aus. Die Preise im oberen Segment könnten deshalb heuer um 3,8 Prozent sinken. Im unteren Segment wird hingegen eine um 5,9 Prozent steigende Nachfrage erwartet, was bei nur um 1,9 Prozent steigendem Angebot geringfügige Preissteigerungen (0,3 Prozent) erwarten lässt.

Regional betrachtet erwarten die Remax-Makler in allen Bundesländern Preisrückgänge, mit Ausnahme der Steiermark. Die deutlichsten Abschläge werden für das Land Salzburg erwartet, wo Wohnen um mehr als fünf Prozent billiger werden könnte. Neben der grünen Mark sollten auch in Tirol und Vorarlberg die Preise mit einem Minus von 1,8 Prozent relativ stabil bleiben, für Wien wird ein Minus von 2,7 Prozent erwartet.

Preiseinbrüche bei Gewerbeimmobilien

In zentralen Lagen sollte Eigentum dennoch auch heuer wieder teurer werden, wenn auch die Steigerung mit "nur" 2,5 Prozent weit weniger stark als in den vergangenen Jahren gesehen wird. Am Stadtrand (-0,9 Prozent) und in Landgemeinden (-3,9 Prozent) wird Eigentum aber tendenziell teils erheblich billiger.

Was die Gewerbeimmobilien betrifft, seien auch hier potenzielle Mieter heuer "in einer sehr guten Verhandlungsposition", denn Remax-Makler rechnen hier mit massiven Preiseinbrüchen im Ausmaß von rund fünf Prozent oder mehr. Dies betreffe allerdings hauptsächlich Geschäftslokale abseits der Toplagen und auch keine Shoppingcenter. (Martin Putschögl, DER STANDARD, 10.1.2015)

  • Absurd hohe Preissteigerungen sind bei Wohnimmobilien nicht mehr zu erwarten,  meinen die Experten. Besonders bei hochpreisigen Immobilien rechnen sie mit  einer "Preiskorrektur" nach unten.

    Absurd hohe Preissteigerungen sind bei Wohnimmobilien nicht mehr zu erwarten, meinen die Experten. Besonders bei hochpreisigen Immobilien rechnen sie mit einer "Preiskorrektur" nach unten.

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