Forscher fragen: Wie hat Ihnen der "Hobbit" gefallen?

9. Jänner 2015, 13:18
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Wissenschafter in 46 Ländern starten das weltweit größte Forschungsprojekt zur Medienrezeption

Hamburg - Von J. R. R. Tolkien in kurzen Passagen erwähnte Ereignisse, die zu überlangen Actionsequenzen aufgeblasen werden. Singende Orks, die eher an die "Fraggles" als an Saurons Heerscharen erinnern. Der Versuch, Erfolgsmuster der "Herr der Ringe"-Trilogie zu wiederholen. Streckungen, Streckungen, Streckungen. Und natürlich das berüchtigte Format "High Frame Rate", das gut gemeint war, für viele Zuschauer aber den optischen Eindruck ruinierte: Kritik an Peter Jacksons "Hobbit"-Trilogie gab es reichlich, und am schönsten hat sie wohl das Online-Filmmagazin "Screen Junkies" in seinen "Honest Trailers" auf den Punkt gebracht:

screen junkies
Der "ehrliche Trailer" zu Teil 2 der "Hobbit"-Trilogie erschien zum Kinostart von Teil 3. Es lohnt sich übrigens, das Gesamtangebot der "Honest Trailers" durchzusehen - am lustigsten sind natürlich die von verrissenen Filmen.

Oder täuscht der Eindruck und die Enttäuschung beschränkt sich auf einen harten Kern von Tolkien-Fans? Immerhin waren die Filmkritiken mehrheitlich positiv (mit Abstrichen) und auch über mangelnden Kassenerfolg kann Peter Jackson nicht klagen.

Das Projekt

Aussagekräftigere Daten wird vielleicht ein internationales Medienforschungsprojekt liefern, von dem die Universität Hamburg berichtet. Zusammen mit Kollegen aus 45 anderen Ländern - unter anderem Österreich, wo der Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg beteiligt ist - wollen die Hamburger Wissenschafter eine Online-Befragung zum "Hobbit" mit insgesamt 50.000 Zuschauern durchführen.

Mit dieser Zahl soll das "World Hobbit Research Project" zum weltweit größten Forschungsprojekt in Sachen Medienrezeption werden. Ein ähnliches Projekt wurde vor einem Jahrzehnt bereits zur "Ringe"-Trilogie durchgeführt und hatte die halbe Teilnehmerzahl.

Hintergrund

Die Befragung ist anonymisiert, das Ausfüllen des in einigen Dutzend verschiedenen Sprachen angebotenen Fragebogens soll etwa 15 bis 20 Minuten dauern. Nach der jeweiligen Lieblingsfigur wird dabei ebenso gefragt wie nach der Bewertung der digitalen Effekte, dem Vergleich mit der vorangegangenen Filmtrilogie und der Buchvorlage oder dem Format, in dem man Filme am liebsten sieht (etwa Kino, TV oder Download).

Dadurch erhoffen sich die Medienwissenschafter Erkenntnisse nicht nur über die Rolle von soziodemografischen Faktoren wie Alter, Einkommen oder Geschlecht für die Rezeption von Fantasyfilmen. Sie versuchen auch herauszufinden, wie ein Hollywood-Produkt in verschiedenen Regionen der Welt unterschiedlich wahrgenommen wird.

Zusammenarbeit mit den "Hobbit-Produzenten gibt es keine, wie die Projektbetreiber betonen - mit der Ergänzung: "Selbstverständlich würden wir uns aber freuen, unsere Ergebnisse mit ihnen zu diskutieren." (jdo, derStandard.at, 9. 1. 2015)

  • Ein enttäuschter Kinobesucher aus Mittelerde.
    foto: ap photo/warner bros. pictures

    Ein enttäuschter Kinobesucher aus Mittelerde.

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