Ein Sacherwürstel für Pipsi

Kolumne9. Jänner 2015, 16:11
36 Postings

Autobahnraststätten sind nicht überall grauslich - manchmal erlebt man gar Herzerfrischendes

Autobahnraststätten und -tankstellen sind, sagen wir, eine Herausforderung. Nerviges Publikum, das in Schlangen zum Klo drängt, stundenlang warmgehaltenes Fertigfutter, Apothekerpreise und schmutztechnisch sowieso. Letzteres in Österreich gottseidank nur vereinzelt, denn hierzulande ist es meist schmuck und sauber wie im Einfamilienhäuschen.

Aber im Ausland, insbesondere im südlichen, da wird ein kleiner Rundgang rasch zum Spießrutenlauf. Erst recht mit einem Hündchen, das gerade die lebenswichtigen Dinge erlernt und in jeder weggeworfenen Kartonbox naiv ein Leckerli wittert. Hundepädagogen empfehlen inzwischen, das unvermeidliche Gassi-Gehen nicht an Raststationen zu erledigen, sondern mit einem Kurzausflug ins Landesinnere zu verbinden - auch weil die Gefahr von Vergiftungen erheblich sei.

Treuherziger Blick und viele Bussis

Aber wie gesagt, es ist nicht überall grauslich. Es gibt auch Herzerfrischendes zu berichten. Die ältere Dame kürzlich am Nachbartisch beispielsweise ließ sich von unserer Junghündin Pipsi so richtig einwickeln. Treuherziger Blick und viele, viele Bussis, um vom Kuchen der überaus netten Zeitgenossin ein paar Krümel abzustauben. Das war der Dame, die sich in der Zwischenzeit über Pipsis Herkunft (Kalabrien), Alter (neun Monate) und Vorlieben (Leckerli, Ballspielen und Schuhe zerbeißen) erkundigt hatte, offenbar zu viel.

Sie tätschelte unseres Hundsis Kopf und flüsterte, den Kellner herbeiwinkend: "Darf ich für den Hund ein Sacherwürstel bestellen?" Das teilte sie dann gerecht mit Pipsi. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 9.1.2015)

  • Ein Sacherwürstel für Pipsi, eines für die spendable Dame.
    foto: apa/georg hochmuth

    Ein Sacherwürstel für Pipsi, eines für die spendable Dame.

Share if you care.