Snowden: NSA vergisst auf Defensive 

9. Jänner 2015, 09:59
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In einem Interview warnt der Whistleblower, dass die USA ständig Sicherheitslücken ausnutzen – und dabei selbst verwundbarer werden

In einem neuen Fernsehinterview für den US-Sender PBS hat sich NSA-Whistleblower Edward Snowden ausführlich zu Cyberattacken und deren Konsequenzen geäußert. Snowden kritisierte die Strategie der US-Führung scharf. Er denkt, dass die NSA und andere Mitglieder des US-Cyber Commands einen zu großen Fokus auf die Offensivfähigkeiten der digitalen Streitkräfte legen – obwohl gerade die USA eigentlich defensiv vorgehen sollte.

USA habe mehr zu verlieren, so Snowden

Denn: "Wenn wir eine Sicherheitslücke offenlassen, um zu spionieren – und China nutzt diese Lücke, dann kann China weitaus mehr durch US-Wissen gewinnen als umgekehrt". Snowden versuchte, klarzumachen, dass es keine Aufteilung in "US-Software" und andere Software gebe, da weltweit dieselben Programme genutzt werden. "Im syrischen Krankenhaus wird vielleicht dieselbe Anwendung genutzt wie in den USA", so Snowden, "in einer chinesischen Bank dasselbe Sicherheitssystem wie in der Bank of America".

NSA soll Sicherheit stärken

Die NSA würde daher die US-Sicherheit massiv stärken, wenn sie Sicherheitslücken aufspüren und schließen würde. Tatsächlich hortet der US-Geheimdienst aber solche "Zero Day Exploits", also noch nicht öffentlich bekannte und damit nicht reparierte Fehler in Hard- oder Software. Durch sie können Spionageprogramme der NSA in sensible Systeme eindringen – genauso wie Hacker, so Snowden in dem Interview, das bereits im Juni geführt worden war.

Snowden: "Russland ist großartig"

NSA-Direktor Mike Rogers hatte erst am Freitag wieder stärkere Offensivmaßnahmen gegen Hacker gefordert. Im Sommer hatte Rogers Snowden einen "Deserteur" genannt, der "allein, depressiv und alkoholkrank" in Russland enden werde. Der NSA-Whistleblower zeigte sich laut Ars Technica darüber amüsiert: "Ich trinke nicht", so Snowden, "und Russland ist großartig." (fsc, derStandard.at, 9.1.2015)

  • In einem neuen Fernsehinterview kritisiert NSA-Whistleblower Edward Snowden die US-Regierung erneut
    foto: ap/kumm

    In einem neuen Fernsehinterview kritisiert NSA-Whistleblower Edward Snowden die US-Regierung erneut

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