Wer von Absetzbarkeit der Spenden profitiert

9. Jänner 2015, 18:55
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Die Absetzbarkeit von Spenden ist ins Visier der Steuerreformkommission geraten. Doch wer profitiert eigentlich von der Begünstigung?

Wien - Auch wenn die Politik auf die Kritik der Experten im Rahmen der Steuerreform kalmierte: Gemeinnützige Organisationen sind alarmiert, seit das Modell der Absetzbarkeit von Spenden im Kommissionsbericht zerpflückt wurde. Der Verwaltungsaufwand sei enorm, dem Staat entgingen 60 Millionen Euro an Einnahmen. Eine direkte Förderung der diversen Einrichtungen wäre effizienter, meinen die Fachleute.

Doch wer profitiert eigentlich von den steuerlichen Begünstigungen für Spenden im Ausmaß von bis zu zehn Prozent des Jahreseinkommens. Eine Anfragebeantwortung von Finanzminister Hans Jörg Schelling zeigt, dass der Steuerbonus in den letzten Jahren stärker in Anspruch genommen wurde. Von 46 Millionen Euro 2010 stieg der Betrag auf 52 Millionen im Jahr 2011 und weiter auf 58 Millionen in 2012. Der Trend könnte sich noch verstärken, hat man doch für die "Steuererklärung" fünf Jahre Zeit. Somit sind die 2013 veranlagten 57,6 Millionen noch nicht vollständig - der Wert dürfte somit noch deutlich anwachsen.

Forschung fällt zurück

Klar in Front liegen mit knapp 49 Millionen Euro im Jahr 2012 die Spenden an mildtätige Organisationen. Weit dahinter, und mit offenbar rückläufiger Tendenz, folgen private Zuwendungen an begünstigte Forschungs- und Lehreinrichtungen, Museen, Bundesdenkmalamt und weitere Verbände. 2012 wurden in diesem Bereich 3,4 Millionen Euro geltend gemacht. Größerer Beliebtheit erfreuen sich Umwelt- und Tierschutzorganisationen, die erst 2012 in die Liste der begünstigten Vereine aufgenommen wurden.

Sie lukrierten gleich von Beginn an knapp 3,8 Millionen Euro, 2013 wurde trotz der noch zu erwartenden Veranlagungen schon mehr als vier Millionen Euro abgesetzt. Knapp dahinter und ebenfalls stark steigend entwickeln sich die Spenden an freiwillige Feuerwehren, die an die drei Millionen Euro einsammelten.

550 Millionen Spendenvolumen

Dabei handelt es sich freilich nicht um das gesamte Spendenvolumen, das nach Schätzungen mindestens das Vierfache ausmacht, aber nicht steuerschonend verrechnet werden will oder kann. Der Fundraising Verband schätzt das Aufkommen im Vorjahr wie berichtet auf 550 Millionen Euro. Damit kommt auf jeden Österreicher eine Zuwendung von 65 Euro, womit das Land im internationalen Vergleich weit hinten liegt. Fast das Dreifache wirft ein Schweizer durchschnittlich in die Spendenbüchse, mehr als das zehnfache ein US-Amerikaner.

Das liege zu einem guten Teil an der kaum ausgeprägten Form großer gemeinnütziger Stiftungen, weshalb der Fundraising Verband rechtliche Änderungen in diese Richtung fordert. Derzeit spenden die Privatstiftungen in Österreich umgerechnet drei Euro je Einwohner. In der Schweiz und in Deutschland, wo gemeinnützige Stiftungen gefördert werden, liegt dieser Wert beim Sechzigfachen. Zwei Millionen Euro sollten diese Einrichtungen für getätigte Spenden absetzen können, lautet die Forderung. (as, DER STANDARD, 9.1.2015)

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