"Titanic"-Chefredakteur: "Ihr werdet der Komik nicht Herr"

8. Jänner 2015, 18:23
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Nach Anschlägen auf "Charlie Hebdo": Religion (und manch andere Weltanschauung) und Komik müssten einander missverstehen

Berlin - Zeit für Grundsätzliches über Satire und Komik, findet Tim Wolff, Chefredakteur des deutschen Satiremagazins "Titanic" in einem lesenswerten Gastbeitrag für ntv.de und auf Titanic-magazin.de über Wahnsinn und Rationalität in Religion und Komik.

"Religion (und so manch andere Weltanschauung) ist Wahnsinn im Kleide der Rationalität, Satire und Komik Rationalität im Kleide des Wahnsinns", schreibt Wolff: "Das eine muss das andere missverstehen. Deshalb werden Vertreter des heiligen Ernstes der Komik stets mit Zorn begegnen. Und es ist ihr gutes Recht. Solange sie dies mit denselben Waffen wie Satiriker tun: mit Wort und Bild. Und nicht mit Maschinenpistolen."

"Für einen Moment dem Ernst die Macht nehmen"

Je ernster, die Lage, desto wichtiger der Humor, betont Wolff: "Komik schafft Distanz zu bedrückenden Ereignissen, sie erlaubt, uneigentlich über eigentlich Unerträgliches zu sprechen – und so den Schrecken zu bekämpfen." Und sie könne "für einen Moment dem Ernst die Macht nehmen".

"Ihr werdet der Komik nicht Herr!", ruft Wolff all jenen zu, die den Witz nicht mögen: "Ertragt ihn oder ignoriert ihn." (red, derStandard.at, 8.1.2015)


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