Selbstzensur in Großbritannien, Empörung in arabischer Welt

8. Jänner 2015, 17:47
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Briten in Angst vor der Provokation

Die britischen Sicherheitsbehörden warnen seit Monaten vor einem Anschlag islamistischer Fanatiker. Im vergangenen Sommer wurde deshalb die offizielle Terrorwarnung auf die zweithöchste Stufe gesetzt. Demnach gilt ein Anschlag auf der Insel als "höchst wahrscheinlich".

Großbritannien ist spätestens seit dem 7. Juli 2005 an den Gedanken gewöhnt, dass religiös motivierte Einheimische nicht vor Gewalttaten zurückschrecken. Damals rissen vier Selbstmord-Attentäter in London 52 U-Bahn- und Buspassagiere in den Tod. Weitere - wenngleich kleinere - Anschläge folgten, etwa 2013 der Mord am Soldaten Lee Rigby im Londoner Stadtteil Woolwich.

Dass die Angst vor dem Terror zur Selbstzensur führt, demonstrierten die Medien auf der Insel einmütig: Keine einzige der großen Londoner Zeitungen nahm die "Charlie Hebdo"-Karikaturen auf die Titelseite. Das Risiko sei zu hoch, teilte der Chefredakteur des "Independent", Amol Rajan, mit. Tatsächlich warnte der bekannte Hassprediger Anjem Choudary in der "Times" unverblümt vor Konsequenzen für angebliche Beleidigungen des Islam. Das Einknicken, so der einflussreiche Kolumnist David Aaronovitch, habe Tradition. Auch als es 2006 um die kruden Mohammed-Karikaturen in "Jyllands Posten" ging, bildeten britische Presse und Politik eine fast beängstigende Einheitsfront in Beschwichtigung. (Sebastian Borger aus London, DER STANDARD, 9.1.2015)

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