Investieren im Tourismus: Löcher stopfen

Kommentar8. Jänner 2015, 17:49
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Wichtig ist, dass der Staat einspringt

Jahrelang wurde Gastwirten (weniger) und Hoteliers (umso mehr) die Tür eingerannt. Ob sie denn keinen Kredit bräuchten. Wir hätten da was, natürlich maßgeschneidert - günstig sowieso. Rückzahlung? Eilt nicht. In vielen Fällen war das die Standardantwort des Bankvertreters. Und wenn er freundlich bei der Tür hinauskomplimentiert wurde, weil kein Bedarf an einem Kredit bestand, kam er bei der anderen Tür wieder herein - oder nervte mit Telefonanrufen in Permanenz. Und heute? Die Banken wollen nicht einmal mehr Geld zum Einlegen nehmen, geschweige denn welches verleihen. Verkehrte Welt.

Umso wichtiger ist es, dass der Staat einspringt, gerade im Tourismus. Beherbergung ist einer der wenigen Wirtschaftszweige, die trotz Krise rundherum noch halbwegs blühen. Wie lang das anhält, hängt in hohem Maße davon ab, ob und in welchem Umfang investiert wird. Der Geschmack der Urlaubsgäste ändert sich, Zimmer sind rasch abgewohnt, Wellness verlangt nach ständiger Pflege. Wer eine Zeitlang nichts investiert, kann gleich zusperren.

Dank des Vertrauens, das Österreich (trotz Hypo-Desasters und anderer Kalamitäten) auf dem internationalen Finanzparkett immer noch genießt, kann der Staat sehr billig helfen: Die Republik haftet für Kredite, die über die Tourismusbank ÖHT vergeben werden. Frisches Geld muss sie praktischerweise nicht flüssigmachen. Dennoch kann mit der Haftung ein Vielfaches an Investitionen losgetreten werden, zum Wohle der Gäste, die sich über neue Annehmlichkeiten freuen dürfen, zum Wohle aber auch der Konjunktur, die dann vielleicht wieder brummt. Das Geld, das die Hausbanken wegen verschärfter Eigenkapitalvorschriften nicht mehr herausrücken, kommt zu einem beträchtlichen Teil von der Europäischen Investitionsbank. Damit können Löcher in der Tourismus-Infrastruktur gestopft werden, die andernfalls größer und größer würden. (Günther Strobl, DER STANDARD, 9.1.2015)

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