Fledermäuse belauschen einander bei der Jagd

12. Jänner 2015, 11:17
3 Postings

Kleingruppen spüren leichter Beute auf, bei zu vielen Tieren wird es allerdings zu laut und der Jagderfolg schwindet

Tel Aviv - Einige Mausschwanzfledermäuse jagen in Gruppen, um leichter Beute zu finden. Der große Vorteil der gemeinsamen Jagd: Die Fledermäuse erkennen an den Ultraschall-Signalen ihrer Artgenossen, wo diese Insekten aufgespürt haben, und orientieren sich daran. Die Tiere fungieren in ihrem Jagdgebiet wie ein Feld aus mehreren Sensoren, was die Suche effizienter mache, wie Forscher aus Israel und den USA nun im Fachblatt "Current Biology" berichten. Zu groß sollte die Gruppe aber nicht sein: Kommen zu viele Tiere zusammen, wird es schlicht zu laut und der individuelle Jagderfolg bleibt aus.

Die Wissenschafter um Yossi Yovel von der Tel Aviv University (Tel Aviv/Israel) beschreiben das von ihnen beobachtete Verhalten als Chips-Sackerl-Effekt. "Wenn man im Dunkeln im Kino sitzt und jemand macht ein Sackerl Chips auf, weiß jeder im Saal, dass einer Chips isst und auch ungefähr, wo", erklärt Yovel. "Fledermäuse arbeiten ähnlich."

Fledermäuse mit GPS-Rekordern

Die Wissenschafter hatten einige Fledermäuse der Art Rhinopoma microphyllum mit kleinen GPS-Rekordern ausgestattet, die zusätzlich zur Position der Tiere deren Ultraschall-Signale aufzeichneten. Von der Art einzelner Signale konnten die Forscher dann auf das Verhalten der Fledermaus schließen, also zum Beispiel ob sie gerade auf einen Artgenossen getroffen war oder einem Beutetier hinterher jagte. Insgesamt zeichneten sie 1.100 Interaktionen zwischen Fledermäusen, die einen Rekorder trugen, und ihren Artgenossen auf.

Die Auswertung zeigte, dass die Tiere häufig in der Nähe von einem Artgenossen herumflattern. Mindestens 41 Prozent der Zeit befanden sich weitere Tiere in weniger als 150 Meter Umgebung einer Fledermaus. Stieg die Größe einer Jagdgruppe lokal stark an, nahm die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs auf ein Beutetier ab. Die Forscher vermuten, dass einzelne Tiere dann zu sehr auf die Ultraschall-Signale ihrer Artgenossen hören müssen und kein Echo mehr von ihren Beutetieren auffangen können.

Artgenossen bilden Sensorennetzwerk

Grundsätzlich aber stellten die Forscher fest, dass sich die Fledermäuse aktiv zusammenfinden. In Playback-Experimenten zogen Rufe von Beute suchenden und Rufe von Beute-attackierenden Fledermäusen Artgenossen an. Wenn eine Fledermaus ein Beutetier entdeckt hat, bekommen die anderen Fledermäuse in der Umgebung das mit, erläutern die Forscher. Das ist eine sehr sinnvolle Information, weil die Fledermäuse ein Beutetier nur im Umkreis von etwa zehn Metern aufspüren können. Ein Artgenosse, der Jagd auf ein Insekt macht, sei hingegen noch im Umkreis von mehr als 100 Metern gut zu hören. Da die Tiere auch zu Beute suchenden Artgenossen fliegen, vermuten die Forscher, dass sie sich generell bewusst zur Jagd zusammenschließen.

Rhinopoma microphyllum machen unter anderem Jagd auf bestimmte fliegende Ameisenköniginnen, schreiben die Wissenschafter weiter. Diese konzentrierten sich meist in Gruppen, die in einem großen Gebiet verteilt und mithin schwer aufzuspüren seien. Das Belauschen erfolgreicher Fledermäuse erhöhe die Chancen, selbst Beute zu finden. Die Forscher simulierten das Verhalten der Fledermäuse in Computermodellen und bestätigten darin ihre Vermutungen.

Die Art Rhinopoma microphyllum gehört zu den Mausschwanzfledermäusen und kommt in Teilen Afrikas und Asiens vor. Die Tiere schlafen in getrenntgeschlechtlichen Kolonien, die aus Hunderten bis Tausenden Individuen bestehen können, und gehen nachts gemeinsam auf Jagd. (APA/red, derStandard.at, 08.01.2015)

  • Mausschwanzfledermäuse (Rhinopoma microphyllum) jagen gerne in der Gruppe. Steigt jedoch die Größe einer Jagdgruppe lokal stark an, nimmt die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs auf ein Beutetier ab.
    foto: jens rydell

    Mausschwanzfledermäuse (Rhinopoma microphyllum) jagen gerne in der Gruppe. Steigt jedoch die Größe einer Jagdgruppe lokal stark an, nimmt die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs auf ein Beutetier ab.

Share if you care.