Nordamerikas Angst vor Rodeln

9. Jänner 2015, 07:00
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Rodeln als neue Gefahr in den USA und Kanada. Stadtregierungen haben Angst vor Millionenklagen von verletzten Sportlern. Die Bürger wehren sich aber und sammeln online tausende Unterschriften

Nordamerika droht eine neue Gefahr: Rodler. Immer mehr Gemeinden in den USA und Kanada schränken das Rodeln ein oder verbieten es gar. Weil es immer wieder Schadenersatzklagen in Millionenhöhe gibt, herrscht bei den Behörden die Angst vor Unfällen, so auch in der Hamilton Conservation Authority.

Dort werden vier Hektar Park verwaltet, die für Freizeitaktivitäten genutzt werden. "Schlittenfahren ist kein Risiko, das wir uns wünschen, denn eine Millionenklage würde uns ruinieren", sagt Büroleiter Chris Firth-Eagland. Die Stadt Hamilton musste einem Mann fast 560.000 Euro plus Gerichtskosten infolge einer Wirbelsäulenverletzung zahlen, die er sich beim Rodeln auf Stadtgebiet geholt hatte.

Buße bis zu 3500 Euro

Jetzt droht Wintersportlern in Hamilton, die gegen das Rodelverbot verstoßen, eine Buße bis zu 3500 Euro. Aber viele Bürger sind empört. Online haben sie bereits mehr als tausend Unterschriften für die Forderung gesammelt: "Erlaubt uns das Rodeln!"

In den USA nimmt die Zahl der Städte, die das Rodeln stoppen, ebenfalls zu. Das ist etwa in Des Moines im US-Staat Iowa geschehen, in Montville in New Jersey, in Lincoln in Nebraska oder in Columbia City in Indiana. Im US-Staat Iowa überlässt die Stadt Dubuque seit Anfang Jänner den Rodlern nur noch zwei Pisten in den insgesamt 50 Parks. "Als Stadt müssen wir uns schützen", sagt Marie Ware vom Büro für Freizeitaktivitäten. In Iowa hatte es in den vergangenen Jahren drei teure Schadenersatzklagen gegen Gemeindebehörden gegeben. So musste die Stadt Sioux City einem Mann, der seinen Rücken beim Schlittenfahren verletzte, umgerechnet zwei Millionen Euro zahlen. In Iowa gebe es zwar Immunität vor solchen Klagen für Sportarten wie Skateboarding, aber nicht für Winteraktivitäten, sagt Ware.

Arzt gegen totales Verbot

Der kanadische Arzt Charles Tator schrieb ein Buch über schwere Sportverletzungen. Danach ist Rodeln eine der riskantesten Sportarten, die schwere Verletzungen verursachen, gleich nach Tauchen und Fallschirmspringen. Obwohl Tator für Kinder das Helmtragen empfiehlt, unterstützt er kein totales Verbot: "Mir behagt diese Idee nicht, denn wir würden nur einen Haufen übergewichtige Leute und Faulpelze hervorbringen", sagte er der kanadischen Zeitung National Post. Dieselbe Zeitung schrieb in einem Leitartikel, dass in Kanada durch Autounfälle viel mehr Leute stürben als durch Rodelunfälle.

Nicht alle sind dieser Ansicht. "Rodeln ist eine riskante Art, von einem Hügel nach unten zu gelangen", sagt Chris Firth-Eagland. In seiner Gegend hat man ein natürliches Mittel gefunden, Leute davon abzuhalten: Die Hügel werden mit dichten Sträuchern bepflanzt. (Bernadette Calonego aus Vancouver, DER STANDARD, 9.1.2015)

  • In vielen nordamerikanischen Parks wurde das Rodeln  eingeschränkt oder komplett verboten.
    foto: reuters/mathieu belanger

    In vielen nordamerikanischen Parks wurde das Rodeln eingeschränkt oder komplett verboten.

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